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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XII-XX: Neun Predigten über das Fasten im Dezember.
Sermo XII. 1. Predigt über das Fasten im Dezember.

3.

Da also Gott will, daß wir gut sind, weil er gut ist, so darf uns nichts an seinen Entscheidungen mißfallen. Wenn wir ihm nicht für alles danken, was heißt das anders, als daß wir ihn in manchen Stücken tadeln? Oft vermißt sich der Mensch, in seiner Torheit gegen seinen Schöpfer zu murren, nicht allein in der Not, sondern sogar im Überfluß. So beklagt er sich, wenn etwas nicht recht ausreichen will, und vergißt er auf Dank, wenn etwas überreichlich vorhanden ist. Hatte er eine gute Ernte, so ärgert er sich, daß seine Scheunen den Segen nicht fassen können, oder klagte er über den allzu großen Ertrag seiner Weinlese. Statt sich zu der Menge der Früchte zu beglückwünschen, jammert er über ihren geringen Preis. Sollte aber einmal der Boden im Verhältnis zum empfangenen Samen allzu kärglich tragen, sollten Weinstöcke und Ölbäume einmal weniger einbringen, dann schilt man auf die Elemente und schont weder Wetter noch Himmel, während doch frommgläubige Jünger der Wahrheit nichts mehr auszeichnet und festigt, als beständig und unermüdlich Gott zu loben, gemäß den Worten des Apostels: "Freuet euch allezeit! Betet ohne Unterlaß! Saget Dank bei allem; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch alle!"1 . Auf welche Weise aber werden wir uns eine solche Ergebung in Gottes Willen zu eigen machen können, wenn nicht wechselnde Ereignisse die Standhaftigkeit unserer Gesinnung auf die Probe stellen, so daß unsere auf Gott gerichtete Liebe weder im Glück vermessen noch im Unglück zaghaft wird? Woran Gott sein Wohlgefallen hat, daran sollen auch wir Gefallen finden! Über jegliches Maß seiner Gaben wollen wir uns freuen! Wer einen guten Gebrauch machte von seinem reichen Gute, der mache ihn auch von geringerem! Bescheidene Habe soll uns ebenso wie Überfluß zum Heile dienen! Auch eine spärlichere Ernte wird den Gewinn unserer Seele nicht beeinträchtigen, wenn nur die Fruchtbarkeit unseres Herzens nicht versagt. Was die E r d e nicht wachsen ließ, das möge aus unserem Inneren emporkeimen! Immer hat eine Spende zur Hand, wem es nicht an gutem Willen gebricht. Das Erträgnis jeden Jahres sollen wir also dazu benützen, die Werke der Nächstenliebe zu üben. Vorübergehende Schwierigkeiten dürfen kein Hindernis für die Mildtätigkeit des Christen bilden. Wußte doch der Herr die Gefäße der gastfreundlichen Witwe zu füllen2 ; die sie zu einem Werke der Liebe geleert hatte; wußte er doch Wasser in Wein zu verwandeln3 und von ganz wenigen Broten fünftausend hungrige Menschen zu sättigen4 . Der Herr, dem man in seinen Armen Speise reicht5 , vermag also das, was er durch G e b e n vergrößern konnte, auch dadurch zu mehren, daß er davon nimmt .

1: 1 Thess 5,16 ff.
2: 3 Kön 17,16
3: Joh 2,1ff.
4: vgl.Joh 6,9.ff
5: vgl.Mt 25,40

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger