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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Vierundzwanzigste und letzte Unterredung, welche die des Abtes Abraham ist über die Abtödtung.

6. Er zeigt durch ein Gleichniß, auf welche Art ein Mönch seine Gedanken bewachen müsse.

Deßbalb muß also die ganze Aufmerksamkeit eines Mönches immer so auf Eines gerichtet sein, und der Anfang und Kreislauf all seiner Gedanken so streng immer auf Dasselbe, d. i. das Andenken an Gott, zurückgerufen werden: wie wenn Einer den Bogen einer Wölbung zur abschließenden Höhe bringen will und nun beständig die Linie des so kleinen Centrums zieht, um so die ganze Gleichheit der Rundung und die strenge Struktur nach der sichersten Norm zu erhalten. Wenn ihn aber Einer ohne diesen Prüfenden Mittelpunkt vollenden will, so mag er noch so viel Vertrauen auf seine Kunst und sein Talent setzen, es ist ihm doch unmöglich, die Gleichheit der Kreislinie ohne Fehler zu wahren, oder durch den bloßen Anblick zu entdecken, wie viel er der Schönheit dir richtigen Rundung durch seine Fehler genommen habe, wenn er nicht immer auf jenes Kennzeichen der Richtigkeit zurückkommt, nach dessen Maßgabe den innern und äussern Umkreis seines Werkes streng bestimmt und so die ganze Wucht einer so großen Höhe nach dem Gesetze eines einzigen Punktes zusammen schließt. So auch wenn unser Geist nicht die alleinige Liebe zum Herrn wie ein unbeweglich festes Centrum durch alle Theilchen unserer Arbeiten und Unternehmungen kreisen läßt und so die Beschaffenheit aller Gedanken so zu sagen mit dem prüfenden Cirkel der Liebe entweder recht macht oder verwirft, so wird er keineswegs [S. 394] den Bau jenes geistigen Kunstwerkes, dessen Baumeister Paulus ist, 1. mit bewährter Geschicklichkeit aufführen, noch die Schönheit jenes Hauses besitzen, welches der hl. David in seinem Herzen dem Herrn darzubieten wünscht, indem er sagt: 2 „Herr, ich liebe die Zierde deines Hauses und den Wohnort deiner Herrlichkeit.“ Er wird vielmehr voll Ungeschick ein unschönes und des hl. Geistes unwürdiges Haus, das alsbald einstürzen wird, in seinem Herzen sich erheben lassen, so daß er nicht durch den Besuch des heiligen Mitwohners geehrt, sondern traurig erdrückt werden wird durch seines Machwerkes Sturz.

1: I. Kor. 3, 10.
2: Ps. 25, 8.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger