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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Vierundzwanzigste und letzte Unterredung, welche die des Abtes Abraham ist über die Abtödtung.

15. Antwort über die dreifache Bewegung der Seele.

Abraham: Alle Laster haben eine und dieselbe Quelle und Grundlage; aber nach der Beschaffenheit des Theiles und so zu sagen des Gliedes der Seele, welches verderbt worden ist, erhält dieselbe verschiedene Namen von Leidenschaften und Schlechtigkeiten. Das bestätigt sich oft auch [S. 406] durch das Beispiel der körperlichen Krankheiten, deren Ursache, obwohl sie eine ist, je nach Beschaffenheit der ergriffenen Glieder in verschiedene Arten von Krankheiten getheilt wird. Wenn nemlich die Gewalt der schädlichen Flüssigkeit die Burg des Körpers, d. i. das Haupt in Besitz genommen hat, so erzeugt sie das Leiden des Kopfschmerzes; ist sie aber in die Ohren oder Augen gedrungen, so gestaltet sie sich zur Ohren- oder Augenkrankheit. Wenn sie sich in die Glieder und die Spitzen der Hände ergossen hat, nennt man sie Gliederkrankheit oder Chiragra; wenn sie aber hinabgegangen ist auf den untersten Theil der Füße, wird sie mit Änderung des Namens Podagra genannt. Also der seinem Ursprünge nach ein und derselbe schädliche Saft wird durch so viele Namen unterschieden, als er Theile von Gliedern befallen hat. Wenn wir nun vom Sichtbaren zum Unsichtbaren übergehen, so müssen wir glauben, daß den Theilen und so zu sagen den Gliedern unserer Seele die Macht eines jeden Lasters auf gleiche Weise innewohne. Da die Weisesten lehren, daß jene eine dreifache Kraft habe, so muß bei irgend einem Angriffe entweder das λογικόν, d. i. der vernünftige Theil derselben, oder das θυμκόν, d. i. der zurückstoßende, oder das ἐπιθυμητικόν, d. i. der begehrende Theil verdorben werden. Wenn also Einen von diesen Affekten die Gewalt schädlicher Leidenschaft ergriffen hat, so erhält das Laster den Namen je nach seiner Grundlage. Denn wenn die moralische Pest den vernünftigen Theil der Seele angesteckt hat, so erzeugt sie die Laster der Ruhmsucht, der Überhebung, des Neides, des Hochmuths, der Anmaßung, des Streites, der Häresie. Wenn sie den zurückstoßenden Sinn verwundet hat, gebiert sie Wuth, Ungeduld, Traurigkeit, Überdruß, Verzagtheit, Grausamkeit. Wenn sie aber den begehrenden Theil verdorben hat, so sprossen aus ihr die Bauchdienerei, die Unzucht, Geldgier, Geiz und schädliche, irdische Begierden.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger