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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Vierundzwanzigste und letzte Unterredung, welche die des Abtes Abraham ist über die Abtödtung.

2. Wie der Greis unsere Irrthümer aufgedeckt habe.

Die Schwäche eurer Gedanken verräth, daß ihr den weltlichen Begierden noch nicht entsagt und die alten Gelüste noch nicht abgetödtet habt. Denn wie eure umherschweifenden Begierden die Trägheit eures Herzens bezeugen, so haltet ihr auch diese Reise und die Entfernung von den Verwandten, die ihr mehr dem Geiste nach hättet unternehmen sollen, nur dem Leibe nach aus. All das wäre wohl schon begraben und aus euern Herzen völlig ausgerissen, wenn ihr entweder das Wesen der Entsagung oder die Hauptursache der Einsamkeit, in der wir leben, ergriffen hättet. Deßhalb sehe ich euch an jener Trägheitskrankheit leiden, welche in den Sprüchwörtern so gezeichnet ist: 1 „Voll von Begierden ist jeder Träge.“ Und wieder: 2 „Seine Wünsche tödten den Trägen.“ Denn auch uns hätten diese gesammten irdischen Vortheile, welche ihr erwähntet, nicht fehlen können, wenn wir geglaubt hätten, daß sie zu unserm Berufe passen, oder wenn wir der Meinung gewesen wären, daß uns aus diesen angenehmen Genüssen so viele Früchte würden zu Theil werden, als aus diesem rauhen Orte und dieser Betrübniß des Leibes erlangt werden. Auch sind wir nicht so sehr alles Trostes von Seite [S. 389] der Verwandten beraubt, daß es an Solchen fehlen würde, die uns mit Freuden aus ihrem Vermögen den Unterhalt bieten möchten, wenn uns nicht Alles, was zur Pflege dieses Leibes gehört, verwehrt wäre durch den Gedanken an jenen Ausspruch des Erlösers, in welchem es heißt: Wer nicht verläßt oder haßt Vater und Mutter, Söhne und Brüder &c., der kann mein Jünger nicht sein.“ Und wenn wir auch die Hilfe der Verwandten nicht hätten, so könnten uns sicherlich die Dienstleistungen der Mächtigen dieser Welt nicht fehlen, die mit bereitwilligster Freigebigkeit, mit Dank und Freude unsern Bedürfnissen abhelfen würden, und durch deren Geschenke wir den Unterhalt, nicht aber die Sorge um Beschaffung des Nahrungsbedarfes hätten. Allein uns schreckt gar sehr jene Verfluchung beim Propheten: 3 „Verflucht sei der Mensch, welcher seine Hoffnung auf Menschen setzt.“ Und: 4 „Wollet nicht vertrauen auf Fürsten.“ Wir könnten ferner wenigstens unsere Zellen an das Ufer des Nilflusses bauen, damit wir das Wasser vor der Thüre hätten, und es nicht auf unsern Schultern viertausend Schritte weit hertragen müßten, wenn uns nickt der hl. Apostel unermüdlich in Ertragung dieser Mühe machen und uns beständig durch folgenden Ausspruch ermuntern würde: 5 „Jeder wird seinen eigenen Lohn empfangen nach seiner Arbeit.“ Wir, wissen auch wohl, daß in unsern Gegenden einige löbliche und abgelegene Plätze sind, auf welchen der Überfluß an Äpfeln, die Anmuth und der Reichthum der Gärten unsere Lebensbedürfnisse bei ganz geringer körperlicher Arbeit befriedigen würde; aber wir fürchten, daß der Vorwurf, der dem Reichen im Evangelium gemacht ist, auf uns Anwendung fände. 6 „Du hast deinen Trost in deinem Leben empfangen.“ Also mit Verachtung all dieser Dinge und der gesammten Lust dieser Welt haben wir unsere Freude nur an dieser Rauhheit und [S. 390] ziehen die abschreckende Öde dieser Einsamkeit allen Genüssen vor. Wir bringen auch die größten Reichthümer eines fruchtbaren Bodens nicht in Vergleich mit diesen traurigen Sandflächen, da wir ja nicht zeitlichen Gewinn für diesen Leib suchen, sondern ewigen Nutzen für den Geist. Es ist ja doch zu wenig, daß der Mönch einmal entsagt und am Anfange seiner Bekehrung das Gegenwärtige verachtet habe, wenn er nicht in der täglichen Entsagung beharrt. Bis an’s Ende dieses Lebens nemlich müssen wir mit dem Propheten sagen: 7 „Menschentag ersehnte ich nicht, du weißt es.“ Deßbalb sagt auch der Herr im Evangelium: 8 „Wer mir nachfolgen will, verläugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir.“

1: Sprüchw. 13, 4; hier wie oben „Einricht. d. Kl.“ 10. 21 nach der Itala (aus der Septuaginta) citirt; abweichend d. Vulg.
2: Sprüchw. 21, 25.
3: Jerem. 17, 5.
4: Ps. 145, 2.
5: I. Kor. 3, 8.
6: Luk. 16, 25.
7: Jerem. 17, 16. Menschentag = Gegenwart. Irdischthun &c.
8: Luk. 9, 23.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger