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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Zweiundzwanzigste Unterredung, welche die zweite des Abtes Monas ist, über die nächtlichen Bethörungen.

5. Antwort, wann dieses Begegniß dem Schlafenden eine Schuld bringe.

Theonas: Wir müssen zwar, so viel an uns liegt, mit allem Eifer darnach trachten, daß wir die unbefleckte Reinheit der Keuschheit besonders zu jener Zeit wahren, in welcher wir an den verehrungswürdigen Altären zu stehen wünschen; und wir müssen uns mit der wachsamsten Umsicht hüten, daß wir nicht um die zuvor bewahrte Unschuld des Leibes gerade in jener Nacht betrogen werden, in welcher wir uns zu der Gemeinschaft des heilbringenden Gastmahles vorbereiten. Wenn aber jener elende Feind, um uns die Heilkraft jenes himmlischen Mittels zu rauben, die Wache des betäubten Geistes bethört, jedoch nur so, daß kein tadelnswerther Reiz dabei vorkommt und dieselbe von keiner Einwilligung in die Lust befleckt wird, sondern Jener nur den Ausfluß, der entweder durch Naturnothwendigkeit hervorgetrieben oder durch teuflische Anfechtung ohne Lustgefühl hervorgelockt wurde, als Hinderniß unserer Heiligung vorgibt, dann können und müssen wir zu der Gnade der heilsamen Speise vertrauensvoll hinzutreten. Wenn aber durch unsern Fehler jene Ansammlung ausgeworfen wurde, dann laßt uns unser Gewissen ordnen in Furcht vor jenem Worte des Apostels: 1 „Wer unwürdig dieses Brod ißt [S. 331] und den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuld an dem Leibe und Blute des Herrn. Es prüfe sich aber der Mensch zuerst selbst, und dann erst esse er von diesem Brode und trinke von dem Kelche. Denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht, da er den Leib des Herrn nicht unterscheidet,“ d. i. da er keineswegs einen Unterschied macht zwischen dieser himmlischen Speise und der Niedrigkeit der gewöhnlichen Speisen und sie nicht für eine solche hält, die man sich nur bei reinem Geiste und Leibe erlauben darf. Dann fährt er fort: „Deßhalb sind unter euch Viele krank und schwach und schlafen Viele“ — womit er sagt, daß die geistigen Krankheiten und Todesfälle besonders aus dieser Anmassung sich erzeugen. 2 Denn Viele, welche diese Speise in unerlaubtem Empfange sich gestatten, werden krank im Glauben, schwach im Geiste, da sie ergriffen sind von dem Siechthum der Leidenschaften, und sie schlafen in Sündentaumel, ohne aus dieser tödtlichen Betäubung irgendwie durch heilsame Sorglichkeit zu erwachen. Dann folgt: „Wenn wir uns selbst richten würden, so würden wir nicht gerichtet werden,“ d. h. wenn wir, so oft uns zuvor eine Wunde der Sünde geschlagen wurde, uns selbst des Empfanges der Sakramente unwürdig erklären würden, so würden wir allerdings Eifer darauf verwenden, durch Buße und Besserung würdig zu denselben hinzutreten zu können, und würden nicht als Unwürdige durch die strengsten Strafen der Krankheiten vom Herrn gezüchtigt werden, damit wir doch wenigstens dadurch zerknirscht werden und zu den Heilmitteln unserer Wunden fliehen möchten, statt daß wir, unwürdig der so kurzen Züchtigung dieser (Erden)-Zeit, im künftigen Leben mit den Sündern dieser Welt verdammt [S. 332] werden. Das ist auch im Leviticus deutlich ausgesprochen und befohlen: 3 „Nur Reine sollen das Fleisch essen, und jene Seele, welche von dem Fleische des Heilsopfers, das dem Herrn gehört, ißt, obwohl Unreinigkeit in ihr ist, — wird von dem Herrn zu Grunde gehen.“ Auch im Deuteronomium wird der Unreine in ähnlicher Weise von dem geistigen Lager im mystischen Sinne getrennt: 4 „Wenn unter euch ein Mensch ist, der durch nächtlichen Traum befleckt wurde, so gehe er aus dem Lager heraus und kehre nicht zurück, bis er gegen Abend mit Wasser gewaschen ist, und nach Sonnenuntergang mag er wieder in’s Lager hineingehen.“

1: I. Kor. 11, 27 ff.
2: Theonas legt hier die Stelle des Apostels anders aus als die meisten griechischen und lateinischen Väter, welche sie nicht von den geistigen Krankheiten verstehen, sondern wirklich von leiblichen, die Gott zur Strafe der Sakrilegien über die Korinther damals gesendet hatte.
3: III. Mos. 7, 20, 21.
4: Vgl. III. Mos. 22, 3.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger