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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Zweiundzwanzigste Unterredung, welche die zweite des Abtes Monas ist, über die nächtlichen Bethörungen.

3. Die körperliche Befleckung entstehe aus drei Ursachen.

Unsere Vorfahren nun lehrten uns eine dreifache Ursache dieses Unfalles, der das Maaß der bestimmten Zeit mit frühzeitiger Unordnung durchbricht. Denn entweder wird er durch eine zu große Menge von Speisen verursacht oder durch die Sorglosigkeit des Geistes hervorgelassen oder durch Nachstellungen des betrügerischen Feindes gereizt. Zu- [S. 327] erst also stößt die Gastrimargie, d. i. das Laster der Gefräßigkeit und Leckerei diesen überflüssigen, unreinen Saft heraus. Denn wenn er auch zur Zeit einer strenger Entsagung den Zustand der Reinheit befleckt, so fließt er nicht wegen des gegenwärtigen Fastens, wie ihr meint, sondern wegen des Übermaaßes der frühern Sättigung. Denn was durch die Völlerei der Gefräßigkeit sich im Innern angesammelt hatte, das muß durch einen Reiz oder während der Unachtsamkeit des wie immer durch schweres Fasten matten Körpers ausgeführt werden. Deßhalb müssen wir uns nicht nur von zu feinen Speisen enthalten, sondern auch den Genuß der geringern mit gleicher Enthaltsamkeit mäßigen, ja uns sogar vor der Sättigung mit Brod und Wasser hüten, damit die erlangte Reinheit des Körpers lange in uns bleiben und gewissermaßen die unverletzte Keuschheit der Geister nachahmen könne; obwohl wir freilich zugeben müssen, daß Einige selbst ohne alle Bemühung des Geistes entweder durch die mäßige Körperwärme oder durch die Höhe des Alters seltener beschmutzt oder durch den Abgang dieses Flusses befleckt werden. Aber ein anderes Verdienst hat Der, welcher den Frieden durch träges Glück erlangt, und ein anderes, wer den Triumph durch ruhmreiche Tugenden verdient. Denn die Kraft in diesem ist als Siegerin über alle Laster bewunderungswürdig; Jenen aber, welchen die Anlage zum Guten in seiner Trägheit schützt, möchte ich vielmehr gesichert als des Lobes würdig nennen. Die zweite Ursache dieses unreinen Ausflusses ist vorhanden, wenn der Verstand ohne geistige Bestrebungen und Übungen und ohne Unterweisung in der Zucht des innern Menschen sich einen gewissen Zustand der Trägheit durch die Gewohnheit der beständigen Lauigkeit herbeigeführt hat, oder wenn er sich nicht hütete vor den feindlichen Angriffen schmutziger Gedanken und jene erhabenste Reinheit des Herzens so lässig begehrte, daß er glaubte, die ganze Hauptsache der Vollkommenheit und Keuschheit bestehe nur in der Abtödtung des äussern Menschen. Durch den Fehler dieser Verirrung und Sorglosigkeit kommt es dann folgerichtig [S. 328] dahin, daß nicht nur eine vielartige Ausschweifung der Gedanken schamlos und frech in das Innere des Geistes einbricht, sondern daß auch der Same aller frühern Leidenschaften in ihm fortdauert. So lange diese in seinen Tiefen verborgen sind, mag er immerhin seinen Leib mit dem strengsten Fasten abtödten, sie beunruhigen doch den Schlafenden mit ihren verführerischen Gaukeleien; und durch diese werden vor dem Ablaufe der rechtmäßigen Zeit, nicht aus Naturnothwendigkeit, sondern noch durch den Trug der geistigen Bosheit die unreinen Säfte hervorgelockt. Wenn diese nun auch, ich will nicht sagen durch die Vernichtung des Leibes, sondern durch die Umsicht und Kraft des Geistes nicht ganz zurückgehalten werden können, so werden sie doch mit Hilfe der Gnade Gottes auf jene einfache Beschaffenheit eines Auswurfes gebracht. Deßhalb muß man zuerst die Ausschweifungen der Sinne im Zaume halten, damit nicht der Geist an solche Zügellosigkeit gewöhnt, im Traume zu häßlichern Reizen der Lust hingerissen werde. Die dritte Ursache ist vorhanden, wenn wir zwar durch eine geordnete und sorgsame Pflege der Entsagung, durch Demüthigung des Herzens und des Leibes die immerwährende Reinheit der Keuschheit zu erlangen wünschen, aber trotz unserer trefflichen Sorgfalt für die Wohlfahrt des Leibes und Geistes uns doch der Neid des arglistigsten Feindes so angreift, daß er in dem Versuche, die Zuversicht unseres Gewissens zu stürzen und uns gleichsam durch irgend eine Schuld zu demüthigen, gerade an jenen Tagen, an welchen wir durch ein größeres Verdienst der Reinheit vor den Augen Gottes wohlgefällig sein möchten, uns ohne irgend eine Reizung des Leibes oder Zustimmung des Geistes und ohne den Trug eines Phantasiebildes durch die einfache Auspressung dieses Flusses befleckt, damit er uns von der hl. Communion abschrecke. Freilich darf man glauben, daß bei manchen Anfängern, deren Körper noch nicht durch die lange Abtödtung des Fastens abgezehrt sind, diese Bethörung durch Machwerk des Teufels deßhalb geschehe, damit er, sobald er sieht, daß sie sich auf eifrigere [S. 329] Fasten verlegen, durch diesen Kunstgriff all ihre Versuche vereitle, so daß sie die Lehrerin der Unversehrtheit und die Mutter der Reinheit, nemlich die strenge Enthaltsamkeit, wie eine Feindin scheuen, da sie merken, daß sie durch das strengere Fasten nicht nur Nichts zu der Reinheit des Leibes beigetragen haben, sondern auch ärger befleckt worden sind. Deßhalb müssen wir wissen, daß wir nicht bloß deßwegen uns von irgend einem Laster zu reinigen haben, damit unser Verstand durch seine Verwirrungen nicht belästigt werde, sondern weil es nicht zufrieden, allein ohne Verbindung mit andern zu herrschen, eine grausamere Sammlung aller Laster hereinläßt und den ihr unterworfenen Geist mit vielfacher Gefangenschaft verwüstet. Und so ist denn die Gastrimargie zu besiegen nicht nur um ihrer selbst willen, damit sie uns nicht durch beschwerende Gefräßigkeit verderbe, und auch nicht nur deßwegen, daß sie uns nicht mit dem Feuer der fleischlichen Begierde entzünde, sondern daß sie uns auch nicht zu Sklaven des Zornes oder des Aufbrausens, der Traurigkeit und aller übrigen Leidenschaften mache. Denn wenn wir unter der Herrschaft des Gaumens schmachten, so müssen wir, sobald uns Speise und Trank entweder zu wenig oder zu nachlässig oder zu spät gereicht werden, auch von den Stacheln des Zornes aufgeregt werden. Und wieder können wir ohne die Pest der Geldgier nicht die schmeichelnde Lust des Geschmackes haben, da durch ihre überflüssigen Erwerbungen die Lüsternheit großen Aufwand machen kann. Die Geldgier aber, die Eitelkeit und der Hochmuth, sowie die ganze Menge aller Laster sind durch eine unzertrennliche Gemeinschaft verbunden, und so wird jedes Laster, welches für sich allein angefangen hat, in uns zu wachsen, auch den übrigen Nahrung zuführen.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger