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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Einundzwanzigste Unterredung, welche die erste des Abtes Theonas ist, über die Nachsicht in der Quinquagesima.

10. Cassian erklärt, warum er dieses Beispiel angeführt habe.

Niemand glaube aber, daß wir Das eingeschaltet ha- [S. 293] ben, um zur Trennung der Ehebünde aufzufordern, da wir das Heirathen nicht nur durchaus nicht verwerfen, sondern auch nach dem apostolischen Ausspruche sagen: 1 „Ehrbar sei die Ehe in Allem, und das Ehebett unbefleckt.“ Wir wollten nur den Anfang der Bekehrung, in welchem jener so große Mann sich Gott weihte, dem Leser getreulich darstellen. Von diesem verlange ich mit seiner Gunst vor Allem Dieß, daß er, es möge ihm nun die Sache gefallen oder mißfallen, doch den Autor in diesem seinem Verhalten nur mit dem Zugeständniß lobe oder tadle, daß derselbe in jeder Weise sich von Verdrehung fern gehalten habe. Ich aber, der ich über diese Sache nicht meine Meinung ausgesprochen habe, sondern in einfacher Erzählung die Geschichte der That zusammenfaßte, muß billiger Weise, wie ich mir von dem Lobe Derjenigen, denen dieß Thun gefällt, Nichts aneigne, auch nicht von Mißgunst berührt werden gegen Jene, welche Dasselbe mißbilligen. Mag also, wie gesagt, Jeder hierüber sein Urtheil haben; aber ich ermahne, daß er das Urtheil seiner Prüfung so mäßige, daß er sich nicht für billiger oder heiliger halte als das göttliche Urtheil, durch welches Jenem selbst die Zeichen apostolischer Kräfte verliehen wurden. Nichts zu sagen von dem Urtheile so großer Väter, von denen seine That nicht nur durchaus nicht getadelt, sondern offenbar so sehr gelobt wurde, daß sie ihn den größten und erhabensten Männern durch die Wahl zur Diakonie vorzogen. Ich meine nun, daß das Urtheil so vieler Geistesmänner, welches auf Eingebung Gottes ausgesprochen wurde, nicht irrig gewesen sei, da es ja auch durch so bewunderungswürdige Zeichen, wie schon oben gesagt, bestätigt wurde. 2 [S. 294]

1: Hebr. 13, 4.
2: Trotz alledem ist die Handlungsweise des Theonas an und für sich und abgesehen von diesem einzelnen Falle eine irrige und sündhafte, denn eine geschlossene und vollzogene Ehe kann selbst zu einem so heiligen Zwecke nur mit gegenseitiger Einwilligung getrennt werden. Was Gott einmal als unauflöslich eingesetzt hat, kann nicht „ihm zu Liebe“ gelöst werden, und ist deßhalb die Stelle bei Matth. 19 nur von einem gesetzmäßigen Verlassen der Frau mit deren Einwilligung zu verstehen, oder nur von dem Grade der Werthschätzung. Bellarmin sagt, Theonas habe eben auf besondere Eingebung des hl. Geistes so ungewöhnlich gehandelt.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger