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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Einundzwanzigste Unterredung, welche die erste des Abtes Theonas ist, über die Nachsicht in der Quinquagesima.

26. Wie wir auch unsere Erstlinge dem Herrn darbringen müssen.

Was soll ich aber von den Erstlingen sagen, welche, wie gewiß ist, von Allen, die dem Herrn treu dienen, täglich dargebracht werden? Denn wenn sie vom Schlafe erwachend wie mit einer durch die Ruhe neubelebten Frische aufstehen und nun, bevor sie irgend eine sinnliche Regung in ihr Herz lassen oder eine Erinnerung und Sorge für ihre zeitlichen Angelegenheiten zugeben, Entstehung und Anfang ihrer Gedanken in göttlichen Brandopfern weihen, was thun sie Anderes, als daß sie Gott die Erstlinge ihrer Früchte durch den obersten Priester Jesus Christus für die Nutznießung dieses Lebens und die gleichsam tägliche Auferstehung darbringen? Ebenso ist es bei Jenen, welche, vom Schlafe erwacht, Gott in gleicher Weise das Opfer ihres Jubels darbringen und mit der ersten Bewegung ihrer Zunge ihn anrufen, seinen Namen und sein Lob feiern, ihre Lippen zuerst zur Absingung seiner Hymnen aufschließen [S. 311] und so Gott die Opfer ihres Mundes schlachten: Ihm bringen sie nun in gleicher Weise die Erstlinge ihrer Hände und ihrer Schritte als Opfer, wenn sie aus den Schlafgemächern tretend sich zum Gebete stellen; und indem sie sich nicht zuerst in ihren eigenen Angelegenheiten ihrer Glieder bedienen, nehmen sie von deren Dienstleistung Nichts zuvor für sich weg, sondern bewegen den Fuß zu seiner Ehre, hemmen ihn zu seinem Lobe und geben so die Erstlinge all ihrer Bewegungen durch Ausspannen der Hände, Beugung der Kniee und Niederwerfen des ganzen Körpers. Denn anders können wir nicht erfüllen, was im Psalme gesungen wird: 1 „Ich komme vor der Frühröthe und rufe“ — und wieder: „Meine Augen wenden sich zu dir vor dem Morgenlicht, um deine Worte zu betrachten;“ und: 2 „In der Frühe soll mein Gebet vor dich kommen.“ Das geschieht nur, wenn wir, wie oben gesagt, nachdem wir von der Schlafesruhe wie aus Finsterniß und Todesähnlichkeit zu diesem Lebenslichte zurückgerufen sind, nicht wagen, von irgend einer Leistung des Geistes oder Körpers Etwas für unfern Bedarf vorhin wegzunehmen. Denn es gibt keinen Andern, welchem der Prophet am frühen Morgen zuvorkam, und welchem auch wir in ähnlicher Weise zuvorkommen müssen, als uns selbst, d. i. unsere Anliegen und Neigungen und die irdischen Sorgen, ohne welche wir nicht sein können, und ferner die feinen Einflüsterungen unseres Feindes, die er uns, während wir noch in Ruhe und Schlaf versunken sind, durch die Phantasiebilder eitler Träume beizubringen sucht, um uns dann sogleich beim Erwachen damit zu beschäftigen und zu verstricken, damit er das Beste unserer Erstlinge verderbe und voraus hinwegnehme. Wir müssen also, wenn wir anders die Bedeutung des obengenannten Verses in der That erreichen wollen, mit aller Vorsicht sorgen, daß eine sorgfältige Wachsamkeit das erste Entstehen der Morgengedanken so schütze, daß ja [S. 312] keine plötzliche Überraschung des neidischen Feindes einige derselben beflecke und so bewirke, daß unsere Erstlinge von dem Herrn als werthlos und gemein verworfen werden. Wenn wir diesem nicht mit wachsamer Umsicht des Geistes zuvor kommen, so wird er die Gewohnheit so schändlicher Überraschung nicht ablegen und nicht aufhören, uns täglich mit seinem Trug zuvorzukommen. Wenn wir also Gott wohlgefällige und annehmbare Erstlinge aus unsern Geistesfrüchten darbringen wollen, so dürfen wir keine geringe Sorgfalt aufwenden, daß wir alle Sinne unseres Körpers besonders in den Morgenstunden als Gott geweihte Brandopfer in Allem unberührt und unbefleckt bewahren. Diese Art der Andacht üben auch viele Weltleute mit größter Sorgfalt und verwickeln sich, wenn sie vor Tag oder bei der Dämmerung aufstehen, durchaus nicht in die häuslichen Verrichtungen und Bedürfnisse dieser Welt, bevor sie zur Kirche kommen, um voll Eifer die Erstlinge all ihres Thuns und Wirkens vor den Augen Gottes niederzulegen.

1: Ps. 118, 147. 148.
2: Ps. 87, 14.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger