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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Zwanzigste Unterredung, welche die des Abtes Pinusius ist über das Ziel der Buße und die Genugthuung.

11. Die läßlichen Sünden brauchen wir nicht zu vergessen, sondern nur die Todsünden.

Aber jene Lehre von der vorgenannten Vergessenheit soll nur über die Hauptsünden aufgestellt sein, die auch im mosaischen Gesetze verworfen worden. Wie die Neigungen zu diesen durch einen guten Wandel abgelegt oder verzehrt werden, so erreicht (hiedurch) auch die Buße ihr Ende. Aber von jenen kleinen Fehlern, in welchen, wie geschrieben steht, der Gerechte siebenmal fällt und wieder aufsteht, wird die Buße nie ablassen. Denn durch Unwissenheit oder Vergeßlichkeit, in Gedanken oder in Worten, durch Erschleichung oder Drang oder die menschliche Gebrechlichkeit fallen wir jeden Tag mit oder gegen unsern Willen häufig in solche Dinge, wegen welcher auch David im Gebete den Herrn um Reinigung und Verzeihung bittet, indem er sagt: 1 „Wer sieht die Sünden ein? Von meinen verborgenen reinige [S. 280] mich und mit den fremden verschone deinen Diener!“ Und der Apostel sagt: 2 „Denn ich thue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, welches ich hasse. Das thue ich!“ Ebenderselbe ruft hierüber klagend aus: 3 „O ich unglücklicher Mensch, wer wird mich befreien von dem Leibe dieses Todes?“ Denn wir fallen hierin mit einer solchen Leichtigkeit wie nach einem Naturgesetz, daß sie nicht vollständig vermieden werden können, man mag sich mit noch so großer Umsicht und Wachsamkeit davor hüten. Über diese fällt ja auch Einer der Jünger, nemlich Der, den Jesus liebte, ein kurz entscheidendes Urtheil, indem er sagt: 4 „Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst, und sein Wort ist nicht in uns.“ Nun wird es aber Dem, der den Gipfel der Vollkommenheit erreichen will, nicht genug nützen, zum Ende der Buße gelangt zu sein, nemlich des Unerlaubten sich zu enthalten, wenn er sich nicht auch immer mit unermüdetem Laufe in jenen Tugenden vorwärts bringt, durch welche man zu den Zeichen der Genugthuung gelangt; denn es wird nicht hinreichen, daß sich Einer von dem ekelhaftesten Schmutze der Laster, die Gott verabscheut, frei halte, wenn er nicht auch jenen guten Geruch der Tugenden, an welchem der Herr Freude hat, durch die Reinheit des Herzens und die Vollkommenheit der apostolischen Liebe besitzt.

So weit handelte Abt Pinusius von dem Kennzeichen der Genugthuung und dem Ende der Buße. Obwohl Dieser mit sorglicher Liebe bat, daß wir lieber in seinem Kloster bleiben möchten, so entließ er uns doch, da er die von dem Rufe der scythiotischen Wüste Angezogenen nicht aufhalten konnte.

1: Ps. 18, 13. 14.
2: Röm. 7, 15.
3: Röm. 7, 24.
4: I. Joh. 1, 8. 10.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger