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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Siebzehnte Unterredung, welche die zweite des Abtes Joseph ist, über das Entscheiden.

31. Daß in Betreff derjenigen Dinge, die zum gewöhnlichen Lebensgebrauche gehören, Nichts zu bestimmen sei.

Aus demselben Grunde darf auch der Mönch in Betreff jener Dinge, welche zu den körperlichen Übungen gehören, Nichts voreilig bestimmen, damit er nicht den Feind zum Kampfe in Dem, was er wie mit Gesetzesbeobachtung wahrt, mehr anreize und so schneller gezwungen werde, es zu verletzen. Denn Jeder, der in der Wohlthat der Freiheit stehend sich selbst ein Gesetz vorsteckt, verpflichtet sich mit einer gefährlichen Knechtschaft, so daß, was er in erlaubter, ja sogar lobenswerther Weise mit Danksagung sich hätte gestatten dürfen, wenn allenfalls das Bedürfniß dazu drängte, er jetzt wie ein Gesetzübertreter hinnehmen muß mit sündhafter Untreue. Denn wo kein Gesetz ist, ist leine Übertretung. — Nachdem wir durch diese Anweisung und Belehrung des hl. Joseph wie durch einen göttlichen Wahlspruch gestärkt waren, wollten wir lieber in Ägypten bleiben. Aber obwohl wir von jetzt an wegen unseres Versprechens wenig in Sorgen waren, so erfüllten wir doch nach Ablauf von sieben Jahren unser Gelöbniß aus freien Stücken. Nachdem wir nemlich schon überhaupt in unser Kloster zu einer Zeit zurückgekehrt waren, in welcher wir [S. 210] wegen Erlaubnis der Rückkehr in die Wüste zuversichtlich waren, gaben wir zuerst unsern Altvätern die gebührende Ehre, und brachten in ihre Gemüther, welche aus Glut der Liebe sich durch unsere so häufigen brieflichen Genugthuungen nicht hatten besänftigen lassen, die alte Liebe wieder zurück; endlich aber, nachdem der letzte Stachel wegen unseres Versprechens ausgerissen war, kehrten wir in die Stille der scythischen Wüste zurück, wobei uns diese mit Freuden begleiteten. — Diese Wissenschaft und Lehre der herrlichen Väter hat nun euch, o hl. Brüder (Honoratus und Eucherius), unsere Unwissenheit, so gut sie konnte, bekannt gemacht; und obwohl unsere ungebildete Darstellung dieselbe mehr verwirrte als klar legte, so möge doch, ich bitte euch, der Tadel unserer Unbehilflichkeit nicht das Lob der ausgezeichneten Männer aufheben. Angesichts unseres Richters schien es uns nemlich sicherer, die Herrlichkeit dieser Lehre wenn auch in ungefüger Rede zu veröffentlichen, als zu schweigen, da es ja dem Fortschritte des Lesers, wenn er die Erhabenheit des Sinnes betrachtet, Nichts schaden kann, daß er sich etwa an der Unbehilflichkeit unserer Darstellung stößt, und wir mehr besorgt sind, zu nützen, als gelobt zu werden. Ich wußte wohl, daß es viele Gefahr und wenig Lob einbringe, wenn ich die Reden hl. Männer aufschreibe; aber klug gab ich, wie man sagt, den Fuß in die Schlinge und weigerte mich nicht, mich der unzweifelhaften Gefahr auszusetzen bei unsicherer Hoffnung auf fremden Nutzen. Ich ermahne aber Alle, in deren Hände diese Büchlein kommen. Alle, denen das Leben und die Lehre der Heiligen lieb ist, daß sie wissen mögen, es sei Alles, was ihnen darin gefällt, Eigenthum der Väter, das meine aber, was ihnen mißfällt.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger