Titel newsletter aktuell suche Titel werke start

Diese Datenbank wird nicht mehr weiter ergänzt. Bitte verwende Sie die neue Seite hier: https://bkv.unifr.ch

Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Fünfzehnte Unterredung, welche die zweite des Abtes Nesteros ist, über die göttlichen Gnadengaben.

3. Von dem Todten, der von dem Abte Makarius auferweckt worden.

So erinnern wir uns, daß von dem Abte Makarius, der zuerst Wohnung in der scythischen Wüste fand, ein Todter erweckt worden sei. Als nemlich ein Häretiker, der sich zu dem Abfall des Eunomius bekannte, die Reinheit des katholischen Glaubens durch dialektische Künste zu trüben trachtete und schon eine große Menge Menschen verführt hatte, da wurde der gottselige Makarius von katholischen Männern, welchen das Unglück einer solchen Umwälzung schwer zu Herzen gieng, gebeten, er möge die Treue von ganz Ägypten vor dem Schiffbruche des Unglaubens bewahren, und kam. Als ihn der Häretiker nun mit seiner dialektischen Kunst angriff und den Unkundigen mit aristotelischen Spitzfindigkeiten in die Irre führen wollte, da machte der hl. Makarius seinem vielen Gerede [S. 130] mit apostolischer Kürze ein Ende und sprach: „Das Reich Gottes liegt nicht im Worte, sondern in der Kraft. Wir wollen also zu den Gräbern geben, den Namen des Herrn über den Todten, der zuerst sich findet, anrufen, und, wie geschrieben steht, unsern Glauben durch die Werke zeigen. Es sollen dann die Beweise des wahren Glaubens durch sein Zeugniß festgestellt werden, und wir wollen so die offenbare Wahrheit nicht durch leeren Wortstreit bewähren, sondern durch die Kraft der Wunder und jenes Kennzeichen, das untrüglich ist.“ Nachdem der Häretiker Dieß gehört hatte, gab er, voll Verwirrung und Scham vor dem umstehenden Volke, für den Augenblick vor, daß er in die gestellte Bedingung einwillige, und versprach, daß er am folgenden Tage da sein werde. Als ihm aber am folgenden Tage Alle erwarteten, die aus Neugier nach einem solchen Schauspiel übereifrig an dem bestimmten Ort zusammengeströmt waren, da floh er, erschreckt durch das Bewußtsein seines Unglaubens, und verließ sogleich ganz Ägypten. Nachdem der hl. Makarius mit dem Volke bis zur neunten Stunde auf ihn gewartet hatte, sah er, daß Jener wegen seines schlechten Gewissens entwichen sei, und nahm die von ihm verführte Menge zu den bestimmten Gräbern mit. Es hat aber bei den Ägyptern wegen der Beschaffenheit des Nilflußbettes die Sitte sich gebildet, daß die Leichname der Verstorbenen, mit stark riechenden Gewürzen einbalsamirt, in höher gelegenen Zellen beigesetzt werden, weil die ganze Weite jenes Landes geraume Zeit des Jahres hindurch wie ein großes Meer von der gewöhnlichen Überfluthung des Wassers bedeckt wird, so daß dann Niemand im Stande ist, einen menschlichen Körper zu begraben, bis nicht die Überschwemmung abgelaufen ist; denn der beständig getränkte, feuchte Boden des Landes verhindert die Pflichtleistung der Beerdigung. Wenn er auch begrabene Leichname aufgenommen hat, so zwingt ihn doch die übergroße Fluth, sie wieder an die Oberfläche zu geben. Als nun der hl. Makarius bei einem sehr alten Leichname stand, sprach er: „O Mensch, wenn jener häre- [S. 131] tische Sohn des Verderbens mit mir hieher gekommen wäre und ich in seiner Gegenwart den Namen Christi meines Gottes angefleht und dich herausgerufen hätte, sage, wärest du vor Diesen, welche durch seinen Trug beinahe verführt worden sind, auferstanden?“ Da stand Jener auf und antwortete mit bejahender Rede. Da fragte ihn der Abt Makarius, was er einst gewesen sei, als er dieses Lebens genoß, oder in welcher Zeit er gelebt und ob er den Namen Christi damals gekannt habe. Jener Antwortete, daß er unter den ältesten Königen gelebt habe, und versicherte, daß er zu jenen Zeiten den Namen Christi nicht einmal gehört habe. Da sagte ihm wieder der Abt Makarius: „Schlafe im Frieden mit den Andern, wie es für dich gehört, da du von Christus am Ende der Zeiten wirst auferweckt werden.“ Also diese seine Kraft und Gnade wäre, so viel an ihm lag, vielleicht immer in ihm verborgen gelegen, wenn ihn nicht die Bedrängniß einer ganzen gefährdeten Provinz und die volle Verehrung und aufrichtige Liebe zu Christus angetrieben hätten, dieses Wunder zu wirken. Gewiß also hat nicht ruhmsüchtige Prahlerei ihn bezwungen, daß Dieß von ihm geschah, sondern die Liebe zu Christus und der Nutzen des ganzen Volkes, wie uns ja auch die Lesung im Buche der Könige zeigt, daß der hl. Elias ebenso gethan, da er über die aufgelegten Opfer kein nur deßhalb Feuer vom Himmel rief, damit er den durch die Blendwerke der falschen Propheten bedrohten Glauben des ganzen Volkes rette.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
Bilder Vorlage

Navigation
. Mehr
. Achte Unterredung, ...
. Neunte Unterredung, ...
. Zehnte Unterredung, ...
. Vorwort des Johannes ...
. Elfte Unterredung, ...
. Zwölfte Unterredung ...
. Dreizehnte Unterredung, ...
. Vierzehnte Unterredung, ...
. Fünfzehnte Unterredung, ...
. . 1. Eintheilung der ...
. . 2. Worin man die hl. ...
. . 3. Von dem Todten, ...
. . 4. Von dem Wunder, ...
. . 5. Von der Heilung ...
. . 6. Daß man das Verdienst ...
. . 7. Daß die Tugend ...
. . 8. Daß es wunderbarer ...
. . 9. Wie sehr die Rechts...
. . 10. Offenbarung über ...
. Sechzehnte Unterredung, ...
. Siebzehnte Unterredung, ...
. Vorwort des Johannes ...
. Achtzehnte Unterredung, ...
. Neunzehnte Unterredung, ...
. Zwanzigste Unterredung, ...
. Einundzwanzigste Unter...
. Zweiundzwanzigste Unte...
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger