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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dreizehnte Unterredung, welche die dritte des Abtes Chäremon ist, über die Hilfe Gottes.

[S. 67] 8. Von der Gnade Gottes und der Freiheit des Willens.

Diese seine Sorgfalt und Vorsehung für uns hat uns Das göttliche Wort durch den Propheten Oseas unter dem Bilde des buhlerischen Jerusalem, Das mit verderblicher Hast sich dem Götzendienste ergab, herrlich ausgesprochen. Da nemlich jenes spricht: 1 „Ich will meinen Buhlen nachgehen, die mir Brod geben und mein Wasser, meine Wolle und mein Linnen, mein Öl und meinen Trank“ — da antwortet die göttliche Herablassung in der Sorge für sein Heil, nicht für seinen Willen: „Siehe, ich will umzäunen ihren Weg mit Dornen und umgeben sie mit einer Mauer, und sie wird ihre Pfade nicht finden; sie wird ihren Buhlen nachgeben und sie nicht erreichen, wird sie suchen und nicht finden und wird sagen: „Ich will zu meinem frühern Manne zurückkehren, weil mir damals wohler war als jetzt.“ Und wieder schildert er die Hartnäckigkeit und Verachtung, mit der wir ihn voll Widersetzlichkeit erzürnen, wenn er uns zu heilsamer Einkehr einladet, mit folgender Vergleichung: 2 „Und ich sprach: Vater wirst du mich nennen und wirst nicht aufhören, wir nachzugehen; doch wie ein Weib treulos wird dem sie Liebenden, so ward treulos an mir Das Haus Israel, spricht der Herr.“ Ganz passend verglich er, weil er Jerusalem einem ehebrecherischen, den Gatten verlassenden Weibe ähnlich genannt hatte, auch seine Liebe und ausdauernde Güte mit einem Manne, der vom Weibe verlassen wird. Denn die Zärtlichkeit und Liebe Gottes, die dem menschlichen Geschlechte immer erwiesen wird, kann gerade deßhalb, weil sie durch keine Unbilden so überwunden wird, daß sie von der Sorgfalt für unser Heil abstünde, und weil sie nur überwältigt von unserer Ungerechtigkeit von ihrem ersten Vorhaben abläßt durch keine andere Vergleichung treffender ausgedrückt wer- [S. 68] den, als durch Das Beispiel eines Mannes, der seine Gattin innigst liebt, und der nun, je mehr er sich von ihr vernachlässigt sieht, um so mehr von heftig glühender Eifersucht gegen sie entflammt wird. Es ist uns also die göttliche Hilfe immer und unzertrennlich gegenwärtig, und so groß ist die Zärtlichkeit des Schöpfers gegen sein Geschöpf, daß er es nicht nur begleitet, sondern ihm auch mit beständiger Sorgfalt zuvorkommt. So bekennt der Prophet, der diese erfahren hatte, dem Herrn aufrichtigst und spricht: 3 „Mein Gott, seine Barmherzigkeit kommt mir zuvor.“ Ja wenn er nur einen Anfang des guten Willens in uns sieht, so erleuchtet er ihn sogleich, stärkt ihn und regt ihn zum Heile an, Demjenigen Wachsthum verleihend, was er selbst in uns gepflanzt hatte, oder was er durch unsern Versuch aufkeimen sah. 4 Denn 5 „bevor sie rufen,“ sagt er, „werde ich sie hören und, da sie noch reden, sie erhören;“ und wieder: 6 „Er wird dir antworten auf die Stimme deines Rufens, sobald er sie gehört hat.“ Und nicht nur heilige Begierden [S. 69] flößt er in seiner Güte ein, sondern auch die Vorkommnisse des Lebens ordnet er im Voraus und die günstigen Gelegenheiten zu gutem Erfolg und zeigt den Irrenden die Richtung des Heilsweges.

1: Ose. 2, 5. 6.
2: Jerem. 3, 19. 10.
3: Ps. 58, 11.
4: Hier ist nun noch bestimmter der verfängliche Satz wiederholt, den wir schon zu Anfang des 7. Cap. lasen und nun, so sehr er andern Aussprüchen Cassians widerspricht, doch ernster nehmen und für unkatholisch erklären müssen. Es ist immer der nämliche, semipelagianische Irrthum, der sich durch die ganze Unterredung hindurchzieht, daß der Mensch aus sich selbst und eigener Kraft, ohne die Gnade Christi irgend einen Anfang des Heiles in guten Keimen oder Anmuthungen &c. haben könne. Dagegen mußten natürlich die Anhänger des hl. Augustin auftreten und zeigen, wie ernst und voll der kath. Glaube Das Wort Christi nehme: „Ohne mich könnet ihr Nichts thun,“ nämlich in Beziehung auf Das übernatürliche Leben. Zu allen sogenannten actus salutares ist übernatürliche Gnade notwendig; keine Bitte, nicht der halbbewußte Gebetsseufzer kann in uns entstehen, es sei denn, daß die Gnade ihn gibt. So ist es mit jedem Verlangen nach dem Guten, mit jedem auch dem ursprünglichsten Keime des übernatürlichen Heilslebens.
5: Is. 65, 24.
6: Is. 30, 19.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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