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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dreizehnte Unterredung, welche die dritte des Abtes Chäremon ist, über die Hilfe Gottes.

7. Über die erste Absicht Gottes und seine tägliche Fürsorge.

Die Absicht Gottes, in der er den Menschen nicht dazu geschaffen hatte, daß er zu Grunde gehe, sondern daß er ewig lebe, bleibt fest stehen. Wenn seine Güte ein noch so kleines Fünklein guten Willens in uns aufleuchten sieht oder eines, Das er selbst gleichsam aus dem harten Kiesel unseres Herzens geschlagen hat, so pflegt er es und weckt es und stärkt es durch seine Eingebung, da er will, daß alle Menschen selig werden und zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen. „Es ist nicht,“ sagt er, 1 „Wille bei euerm Vater, der im Himmel ist, daß eines von diesen Kleinen verloren gehe.“ Und wieder heißt es: 2 „Gott will nicht, daß eine Seele verloren gehe, sondern hält Rath und gedenket, daß nicht ganz zu Grunde gehe, der verstoßen ist.“ Denn Gott ist wahrhaft und lügt nicht, wenn er mit Betheuerung versichert 3 „So wahr ich lebe, spricht der Herr, Gott, ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre von seinem Wege und lebe.“ Denn wer nicht den Willen hat, daß eines von den Kleinen zu Grunde gehe, wie darf man von ihm ohne große Gotteslästerung glauben, daß er nicht durchaus Alle, sondern nur Einige statt Aller gerettet wissen wolle? Welche immer also zu [S. 66] Grunde gehen, sie gehen verloren gegen seinen Willen, da er ja einem Jeden von ihnen täglich zuruft: 4 „Bekehret euch von euren schlechten Wegen! Warum auch wolltet ihr des Todes sein, Haus Israel?“ Und wieder: 5 „Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln, wie eine Henne ihre Jungen sammelt unter ihre Flügel, und du hast nicht gewollt!“ „Und warum,“ heißt es, 6 „hat sich abgewendet dieses Volk in Jerusalem mit hartnäckiger Abkehr? Verhärtet haben sie ihr Angesicht und wollen nicht zurückkehren.“ Zu Handen also ist täglich die Gnade Christi, und da sie will, daß alle Menschen selig werden und zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen, ruft sie auch Alle ohne irgend eine Ausnahme und sagt: 7 „Kommet Alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken.“ Wenn sie aber nicht Alle insgesammt, sondern nur Einige ruft, so folgt daraus, daß auch nicht Alle beladen sind, sei es mit der Erbsünde oder persönlichen Schuld, und daß auch jener Ausspruch nicht wahr ist: 8 „Alle haben gesündigt und entbehren der Ehre vor Gott;“ daß man ferner nicht glauben darf, es sei der Tod auf alle Menschen übergegangen. Und so sehr gehen alle Verlorenen gegen den Willen Gottes zu Grunde, daß man nicht einmal sagt, Gott habe den Tod geschaffen, da Solches die hl. Schrift bezeugt: 9 „Gott hat den Tod nicht gemacht, noch freut er sich an dem Untergange der Lebendigen.“ Daher kommt es, daß unser Gebet sehr oft später oder gar nicht erhört wird, weil wir etwas für uns Schädliches verlangen, während sich der Herr ein ander Mal herabläßt, uns zu unserm Nutzen selbst gegen unsern Willen wie der wohlmeinendste Arzt Das zu geben, was wir für schädlich halten. Oft auch hält der Herr unsere verderblichen Anordnungen und todbringenden Unternehmungen in ihrem fluchwürdigen Erfolge auf, macht sie zu nichte und zieht die dem Tode Entgegeneilenden zum Heile oder entreißt die Blinden dem Abgrunde der Unterwelt.

1: Matth. 18, 14.
2: II. Kön. 14, 13.
3: Ezech. 33, 11.
4: Ebend.
5: Matth. 23, 37.
6: Jerem. 8, 5.
7: Matth. 11, 28.
8: Röm. 3, 23.
9: Weish. 1, 13.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger