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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dreizehnte Unterredung, welche die dritte des Abtes Chäremon ist, über die Hilfe Gottes.

6. Daß wir ohne die Gnade Gottes keine Thätigkeitsäusserungen vollbringen können.

Obwohl man nun in Vielem, ja in Allem zeigen kann, daß die Menschen immer der Hilfe Gottes bedürfen, und daß die menschliche Gebrechlichkeit Nichts, was zum Heile gehört, durch sich allein, d. i. ohne die Hilfe Gottes vollbringen könne, so wird Dieß doch nirgends deutlicher als in Erwerbung und Bewahrung der Keuschheit; denn um die Besprechung der Schwierigkeit ihrer Unversehrtheit ein wenig aufzuschieben, wollen wir einstweilen kurz von ihren Mitteln reden. Oder wer, ich bitte euch, vermöchte, wenn er auch glühenden Geisteseifer hätte, aus eigenen Kräften die rauhe Wüste oder bei trockenem Brode, ich will nicht sagen den täglichen Hunger, sondern auch nur die Sättigung zu ertragen, und Das ohne die Stütze des Menschenlobes? Wer könnte den immerwährenden Durst nach Wasser ohne die Tröstung Gottes aushalten oder jenen süßen, erquickenden Morgenschlummer den Augen rauben und die ganze Schlafesstärkung nach einem beständigen Gesetze innerhalb vier Stunden beschließen? Wer vermöchte die unaufhörliche Ausdauer in der Lesung, wer den ununterbrochenen Fleiß in der Arbeit, von der er in der Gegenwart keinen Gewinn [S. 64] und Vortheil zieht, ohne die Gnade Gottes zu leisten? Wie wir nach all Diesem ohne göttliche Eingebung nie ein Verlangen haben können, so können wir es auch ohne seine Hilfe durchaus nicht ausführen. Damit nun Ebendieß uns nicht nur durch die bewährte Lehre der Erfahrung, sondern auch durch sichere Zeichen und Beweise noch offenbarer werde: macht denn nicht in vielem Nützlichen, was wir zu thun wünschen, eine gewisse Einsprache der Schwäche unsere schon gefaßten Wünsche nichtig, obwohl die volle Glut des Verlangens und der vollkommene Wille nicht fehlt, und bleibt so nicht unser Vorsatz ohne Wirkung, wenn nicht die Kraft der Ausführung von der Barmherzigkeit des Herrn geschenkt wird? Obwohl es deßhalb eine unzählige Menge Solcher gibt, die getreulich wünschen, dem Tugendstreben sich zu widmen, so sind doch Jene sehr selten, welche Das zu vollenden oder auszuhalten vermögen, wobei ich noch übergehen will, daß ja nicht einmal dann, wenn uns keine Schwäche abhält, die volle Freiheit, Alles zu thun, was wir wollen, in unserer Macht ist. Denn nicht einmal zu der Zeit, wo wir könnten, vermögen wir die stille Zurückgezogenheit, Das strenge Fasten, die eifrige Lesung ganz nach unserm Willen einzuhalten, sondern werden durch gewisse dazwischenkommende Ursachen häufig von den heilsamen Gebräuchen abgehalten, so daß wir nothwendig die Gelegenheit nach Zeit und Ort, diese Dinge auszuüben, von Gott erbitten müssen, und es ist also gewiß, daß unser Können nicht ausreicht, wenn nicht von dem Herrn auch die günstige Gelegenheit, Das uns Mögliche auszuführen, geschenkt wird, wovon auch der Apostel sagt: 1 „Wir wollten wieder und wieder zu euch kommen, aber Satan hat uns gehindert.“ Dabei geschieht es auch, daß wir zuweilen uns in nützlicher Weise von diesen geistigen Bestrebungen abgerufen fühlen und so, indem gegen unsern Willen die Eile unseres Laufes unterbrochen wird und wir der Körperschwäche etwas [S. 65] Erholung gönnen, unsere Beharrlichkeit durch Schonung gewahrt wird, ohne daß wir selbst Dieß beabsichtigen. Über dieses Walten Gottes spricht sich der hl. Apostel ähnlich aus: 2 „Deßhalb habe ich den Herrn dreimal gebeten, daß Jener von mir weiche: aber er sagte mir: Es genügt dir meine Gnade; denn die Kraft wird in der Schwäche vollendet;“ und wieder: 3 „Denn um was wir bitten sollen wie sich’s gebührt, wissen wir nicht.“

1: I. Thessal. 2, 18.
2: II. Kor. 12, 8. 9.
3: Röm. 8, 26.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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