Titel newsletter aktuell suche Titel werke start

Diese Datenbank wird nicht mehr weiter ergänzt. Bitte verwende Sie die neue Seite hier: https://bkv.unifr.ch

Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dreizehnte Unterredung, welche die dritte des Abtes Chäremon ist, über die Hilfe Gottes.

17. Von der unerforschlichen Anordnung Gottes.

Aus diesen Beispielen nun, die wir aus den evange- [S. 93] lischen Urkunden beigebracht haben, können wir ganz deutlich abnehmen, daß Gott auf verschiedene und unzählige Weisen und nach unerforschlichen Wegen für das Heil des menschlichen Geschlechtes sorge; daß er bei Einigen, die verlangen und dürsten, den Lauf zu größerer Heftigkeit anrege, Andere aber gegen ihren Willen antreibe; daß er jetzt Hilfe leiste, damit Das, was er nützlich von uns ersehnt sieht, erfüllt werden könne; ein ander Mal aber selbst die Anfänge der hl. Begierde einflöße und so entweder den Beginn des guten Werkes oder die Beharrlichkeit schenke. 1 Daher kommt es, daß wir im Gebete den Herrn nicht bloß als Beschützer und Erlöser, sondern auch als Helfer und Zuflucht anrufen. Denn darin, daß er uns zuerst ruft und uns ohne unser Wissen und Wollen zum Heile zieht, ist er unser Beschützer und Erlöser; darin aber, daß er uns in unserm Streben zu helfen und die zu ihm Fliehenden aufzunehmen und zu schützen pflegt, heißt er unser Erhalter und unsere Zuflucht. Kurz, da der hl. Apostel diese vielfache Freigebigkeit des göttlichen Waltens im Geiste erwägt und nun sieht, daß er in ein unermeßliches, unbegrenztes Meer göttlicher Liebe gestürzt sei, ruft er aus: 2 „O Tiefe des Reichthums, der Weisheit und des Wissens Gottes, wie unerforschlich sind seine Rathschlüsse und wie unaussspürbar seine Wege! Denn wer hat erkannt den Sinn des Herrn?“ Diese bewunderungswürdige Erkenntniß nun, vor welcher jener so herrliche und große Völkerlehrer erschauerte, sucht nichtig zu machen, wer immer glaubt, daß er die Tiefe jenes unberechenbaren Abgrundes mit menschlicher Vernunft ermessen könne. Denn wer sich [S. 94] zutraut, die Anordnungen Gottes, nach denen er das Heil unter den Menschen wirkt, entweder vollständig im Geiste zu erfassen oder darstellen zu können, der erklärt offenbar mit unheiliger Kühnheit im Widerspruche gegen die Wahrheit des apostolischen Wortes, daß Gottes Rathschlüsse erforschlich und seine Wege erfindbar seien, während doch der Herr selbst Folgendes bezeugt: 3 „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr; denn so hoch der Himmel steht über der Erde, so hoch stehen meine Wege über den euern und meine Gedanken über euern Gedanken.“ Dieses sein Liebeswalten, wie er es uns mit unermüdeter Zärtlichkeit zu erweisen sich herabläßt, will der Herr mit der Aufwallung einer menschlichen Neigung darstellen, und da er in dieser Geschöpflichkeit keinen Liebesaffekt findet, mit welchem er es entsprechender vergleichen könnte, so stellt er es zusammen mit dem so zärtlichen Herzen einer liebevollen Mutter und bedient sich dieses Beispieles, weil ein lieberes in der Menschennatur nicht gefunden werden kann, und sagt: 4 „Kann eine Mutter vergessen ihres Kindes, so daß sie sich nicht erbarmte über den Sohn ihres Schooßes?“ Aber nicht zufrieden mit dieser Vergleichung überbietet er dieselbe sogleich und fügt bei: „Und wenn jene vergessen hätte, ich jedoch werde deiner nicht vergessen.“

1: Er glaubt diesen traurigen Irrthum voll Willkür und Gedankenlosigkeit noch einmal wiederholen zu sollen. Es gibt nach ihm also zweierlei Menschen in der Kirche: die in Folge ihres Willens und die gegen ihren Willen Geretteten; und Christus ist nur für die letztern Erlöser, für die andern nur Helfer! Wie irrig!
2: Röm. 11, 33.
3: Is. 55, 8. 9.
4: Is. 49, 15.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
Bilder Vorlage

Navigation
. Mehr
. Sechste Unterredung, ...
. Siebente Unterredung, ...
. Achte Unterredung, ...
. Neunte Unterredung, ...
. Zehnte Unterredung, ...
. Vorwort des Johannes ...
. Elfte Unterredung, ...
. Zwölfte Unterredung ...
. Dreizehnte Unterredung, ...
. . 1. Ein Zweifel des ...
. . 2. Frage, warum die ...
. . 3. Antwort, daß ohne ...
. . 4. Einwendung, wie ...
. . 5. Antwort über die ...
. . 6. Daß wir ohne die ...
. . 7. Über die erste ...
. . 8. Von der Gnade Gottes ...
. . 9. Über die Kraft ...
. . 10. Von der Schwäche ...
. . 11. Ob die Gnade Gottes ...
. . 12. Daß der gute Will...
. . 13. Daß die menschlichen ...
. . 14. Daß Gott durch ...
. . 15. Über die vielfache ...
. . 16. Von der Gnade Gott...
. . 17. Von der unerforsch...
. . 18. Lehrbestimmung ...
. Vierzehnte Unterredung, ...
. Fünfzehnte Unterredung, ...
. Sechzehnte Unterredung, ...
. Siebzehnte Unterredung, ...
. Vorwort des Johannes ...
. Achtzehnte Unterredung, ...
. Neunzehnte Unterredung, ...
. Zwanzigste Unterredung, ...
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger