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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Elfte Unterredung, welche die erste des Abtes Chäremon ist über die Vollkommenheit.

6. Lehrsatz des Abtes Chäremon, daß die Laster auf dreierlei Weise besiegt werden.

Dann sprach der gottselige Chäremon: „Drei Dinge sind es, welche die Menschen veranlassen, sich der Laster zu enthalten, nemlich entweder die Furcht, sei es vor der Hölle oder den irdischen Gesetzen, oder die Hoffnung und Das Verlangen nach dem Himmelreich oder die Neigung zum Guten selbst, die Liebe zu den Tugenden. Wie die Furcht eine Ansteckung mit dem Bösen austreibt, darüber lesen wir: 1 „Die Furcht des Herrn haßt die Bosheit.“ Auch die Hoffnung wehrt Das Eindringen aller Laster ab. „Denn Alle, die auf ihn hoffen, werden nicht sündigen.“ 2 Die Liebe ferner fürchtet nicht Das Sündenelend, denn „die Liebe fällt nie“; 3 und wieder: 4 „Die Liebe bedeckt die Menge der Sünden.“ Deßhalb faßt der hl. Apostel den ganzen Inhalt des Heiles in die Vollendung dieser drei Tugenden und sagt: 5 „Nun bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei;“ der Glaube nemlich ist es, der da macht, daß aus Furcht vor dem künftigen Gericht und Strafurtheil die Ansteckung der Laster vermieden wird. Die Hoffnung ist es, die unsern Geist von dem Gegenwärtigen abruft und alle Lüste des Körpers in der Erwartung des himmlischen Lohnes verachtet. Die Liebe endlich ist es, die uns zur [S. 14] Anhänglichkeit an Christus und zur Hervorbringung geistiger Tugenden mit innerer Glut entflammt und alles dem Widersprechende mit vollem Hasse verabscheuen läßt. Obwohl diese drei, wie man sieht, zu einem Ziele streben, da sie uns auffordern, von Unerlaubtem abzustehen, so unterscheiden sie sich doch Betreffs ihres Werthes in großen Abstufungen von einander. Denn die zwei erstern sind jenen Menschen eigen, die nach Fortschritt ringen und noch nicht zur Liebe der Tugenden gelangen konnten. Die dritte ist Sache Gottes und Derjenigen, welche Das Bild und die Ähnlichkeit Gottes in sich aufgenommen haben. Jener nemlich allein thut Das Gute, ohne durch Furcht oder Lohn angetrieben zu sein, aus bloßer Liebe zum Guten; denn, wie Salomon sagt, „Alles thut der Herr um seiner selbst willen.“ 6 Nur wegen seiner Güte nemlich gibt er Überfluß an allem Guten sowohl den Würdigen als den Unwürdigen, weil er weder durch Beleidigungen ermüdet, noch durch die Bosheit der Menschen leidenschaftlich aufgeregt werden kann, sondern immer die vollkommene Güte bleibt und die unveränderliche Natur.

1: Sprüchw. 8, 13.
2: Ps. 38, 23.
3: I. Kor. 13, 8.
4: I. Petr. 4, 8.
5: I. Kor. 13, 13.
6: Sprüchw. 16, 4.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger