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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Zehnte Unterredung, welche die zweite des Abtes Isaak ist, über das Gebet.

6. Warum einem Jeden von uns Christus Jesus entweder erniedrigt oder verherrlicht erscheine.

Nach dem Maaße seiner Reinheit nun wird, wie ich in der vorigen Unterredung schon gesagt habe, ein jeder Geist in seinem Gebete aufgerichtet oder überhaupt gebildet, indem er nemlich soweit von der Betrachtung der irdischen und materiellen Dinge sich entfernt, als ihn der Zustand seiner Reinheit führt und ihn Christum entweder noch niedrig und im Fleische oder verherrlicht und in der Glorie seiner Majestät kommend mit den innern Blicken der Seele schauen läßt. Denn die werden Jesum nicht als König kommen sehen, die, noch befangen in jener gewissermaßen jüdischen Schwäche, nicht mit dem Apostel sagen können: 1 [S. 585] „Und wenn wir Christum dem Fleische nach gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr (so).“ Aber nur Jene schauen seine Gottheit mit ganz reinen Augen, welche von den niedrigen und irdischen Werken und Gedanken aufsteigen und sich mit ihm zurückziehen auf den hohen Berg der Einsamkeit, der, frei von dem Lärm aller irdischen Gedanken und Wirren, abgeschieden von der Verbindung mit irgend welchem Laster und erhöht im reinsten Glauben und ausgezeichneter Tugend, die Herrlichkeit des göttlichen Angesichtes und das Bild seiner Verklärung denen offenbart, die würdig sind, ihn mit reinen Blicken der Seele anzuschauen. Übrigens wird Jesus auch von denen gesehen, die in Städten und Burgen und Dörflein leben, das heißt, welche im thätigen Leben sind und in der Übung der Werke; aber nicht in jener Klarheit, in welcher er denen erscheint, die mit ihm auf den genannten Berg der Tugend steigen können, nemlich dem Petrus, Jakobus und Johannes. So erschien er in der Einsamkeit auch dem Moses und sprach zu Elias. Das wollte auch unser Herr bestätigen und uns Beispiele vollkommener Reinheit hinterlassen. Freilich hätte nun Er als die unbeflecktere Quelle der Heiligkeit zur Erlangung der Reinheit nicht die Hilfe der Zurückgezogenheit und das Unterstützungsmittel der äussern Einsamkeit bedurft; denn es konnte ja die Fülle der Reinheit durch keinen Schmutz der Menge befleckt werden, und es konnte der nicht verunreinigt werden durch menschlichen Umgang, der alles Befleckte reinigt und heiligt; aber er zog sich dennoch allein auf einen Berg zurück, um zu beten, und belehrte uns durch das Beispiel seiner Abgeschiedenheit, daß, wenn wir mit reiner und voller Herzensstimmung zu Gott flehen wollen, auch wir uns ähnlich zurückziehen sollen von all’ dem Lärm und Gewirre der Menge, so daß wir schon in diesem Leibesleben uns theilweise zu einer gewissen Ähnlichkeit bringen mit jenem seligen Zustande, der für die Zukunft den Heiligen verheissen ist, und daß uns Gott Alles ist und in Allem.

1: II. Kor. 5, 16.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger