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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Neunte Unterredung, welche die erste des Abtes Isaak ist, über das Gebet.

6. Über das Gesicht eines Alten, das er in Betreff des ruhelosen Wirkens eines Bruders sah.

Daß nun Das nicht ohne Anreizung der Teufel geschehe, lehren uns die unwidersprechlichsten Erfahrungen. Denn es ging einmal ein sehr bewährter Altvater nahe bei der Zelle eines Bruders vorbei, der eben an dieser genannten Seelenkrankheit litt, da er sich für Erwerbung und Bereitung überflüssiger Dinge ohne Ruhe in täglicher Anstrengung abmühte. Da er nun schon von ferne sah, wie dieser mit einem schweren Hammer einen sehr harten Stein zermalmte, und wie ein Äthiopier bei ihm stand, die Hände mit denen des Mönches eng verflocht und zugleich mit ihm die Schläge des Hammers führte, während er ihn durch brennende Fackeln zum Eifer in seinem Werke antrieb: da blieb er lange stehen und staunte über den Drang des so grausamen Teufels und über den Trug eines solchen Wahnes. Denn als der Bruder von zu großer Müdigkeit erschöpft ruhen und die Arbeit beendigen wollte, da wurde er durch die Anreizung des Teufels ermuthigt, den Hammer wieder aufzunehmen, und gedrängt, von dem Eifer bei dem begonnenen Werke nicht abzulassen, so daß er durch dessen Anreizungen unermüdlich erhalten wurde und die Beschwerlichkeit einer solchen Mühe nicht fühlte. Endlich kehrte der Greis, durch das grausame Spiel des Teufels bewogen, in [S. 549] der Zelle des Bruders ein, grüßte ihn und sprach: „Was ist das für eine Arbeit, die du da treibst?“ Jener antwortete: „Wir mühten uns ab gegen diesen so harten Stein und konnten ihn kaum ein wenig zerbröckeln.“ Darauf der Greis: „Richtig hast du gesagt: „wir konnten;“ denn du warst nicht allein, da du schlugst, sondern es war ein Anderer bei dir, den du nicht sahst, und der dir bei dieser Arbeit nicht als Helfer, sondern als der grausamste Hetzer zur Seite stand.“— Um also zu beweisen, daß die Krankheit weltlicher Großthuerei nicht in unserem Geiste sei, genügt es nicht, sich nur von jenen Geschäften zu enthalten, die wir, auch wenn wir wollten, weder suchen noch ausführen könnten; auch genügt nicht die Verachtung jener Dinge, die wir nicht anstreben könnten, ohne sowohl bei Geistesmännern als bei Weltleuten auf den ersten Blick gebrandmarkt zu werden; sondern nur, wenn wir auch Das, was in unserer Macht steht, und was wir mit einer gewissen Ehrbarkeit uns aneignen könnten, mit unerbittlicher Geistesstrenge zurückweisen. Und in der That beschweren diese klein und ganz gering scheinenden Dinge, die von Leuten unseres Berufes, wie wir sehen, gleichgiltig zugelassen werden, gemäß ihrer Beschaffenheit den Geist nicht weniger als jene größeren, welche die Sinne der Weltmenschen, ihrem Zustande entsprechend, zu berauschen pflegen. Sie lassen nemlich nicht zu, daß der Mönch nach Ablegung des Erdenschmutzes zu Gott aufseufze, auf welchen immer seine Meinung fest gerichtet sein muß, da er ja selbst eine kleine Trennung von diesem höchsten Gute für den sofortigen Tod und den gefährlichsten Untergang halten muß. Wenn nun der Geist in solcher Ruhe gegründet und von den Banden aller fleischlichen Leidenschaften befreit ist, wenn die Meinung des Herzens mit größter Beharrlichkeit jenem einen und höchsten Gute anhängt, dann wird er jenes apostolische Wort erfüllen: „Betet ohne Unterbrechung“ und: „An jedem Orte erhebet reine Hände ohne Zorn und Streit!“ Denn wenn in dieser Reinheit der Sinn des Geistes, wenn man so sagen kann, aufgegangen ist und von dem irdischen [S. 550] Zustande zur Reinlichkeit des geistigen und englischen umgebildet ist, so wird Alles, was er in sich aufnimmt oder berührt oder handelt, das reinste und aufrichtigste Gebet.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger