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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Achte Unterredung, welche die zweite mit Abt Serenus ist über die Herrschaften oder Mächte.

25. Wie das zu verstehen sei, daß es im Evangelium vom Teufel heißt, er sei voll des Lügens und der Vater desselben. 1

Wenn es nun euch beunruhigte, daß der Teufel voll des Lügens ist und der Vater desselben, 2 daß also sowohl er selbst als auch sein Vater vom Herrn lügenhaft genannt zu werden scheinen, so ist es unpassend genug, das auch [S. 539] nur im Geringsten zu meinen. Denn wie wir kurz vorher gesagt haben, ein Geist zeugt nicht den andern, wie die Seele nicht eine andere, obgleich wir nicht zweifeln, daß die Gestaltung des Fleisches durch den menschlichen Samen geschehe, da ja der Apostel klar unterscheidet, welchem Urheber jede der beiden Substanzen, des Fleisches und Geistes, zuzuschreiben sei. Er sagt: 3 „Wir hatten nun die Väter unseres Fleisches als Lehrer und verehrten sie; werden wir nun nicht viel mehr dem Vater der Geister uns unterwerfen und leben?“ Was konnte er durch diese Theilung deutlicher lehren, als daß er Menschen für die Väter unseres Fleisches erklärt, aber beharrlich ausspricht, Gott allein sei der Vater unserer Seelen? Übrigens ist auch selbst in der Bildung unseres Körpers dem Menschen nur die Dienstleistung zuzuschreiben, die Hauptsache der Herstellung aber Gott, dem Schöpfer Aller, da David sagt: 4 „Deine Hände haben mich gemacht und gebildet.“ Und der fromme Job spricht: 5 „Hast du nicht wie Milch mich hingegossen und wie Molken mich gerinnen lassen? … mit Knochen und Nerven mich durchwebt?“ Und der Herr sagt zu Jeremias: 6 „Eh’ ich dich bildete im Mutterleibe, kannte ich dich.“ Der Prediger aber erschließt deutlich und treffend genug die Natur und den Ursprung jeder dieser Substanzen durch die Prüfung der Herkunft und des Anfanges, woraus jede hervorging, und durch die Betrachtung des Endzweckes, zu welchem jede strebt, und indem er gleichfalls die Trennung des Leibes und der Seele behandelt, spricht er sich so aus: 7 „Ehe der Staub zu Erde wird, wie er war, und der Geist zurückkehrt zu Gott, der ihn gab.“ Was kann hiemit klarer gesagt sein, als daß er die Materie des Fleisches, die er Staub nennt, weil sie vom Samen des Menschen ihren Anfang nimmt und durch seine Dienstleistung gesät wird, als von der Erde genommen wieder [S. 540] zur Erde zurückkehren läßt, — den Geist aber, der nicht durch die Verbindung beider Geschlechter erzeugt, sondern eigens von Gott gegeben wird, als zurückgehend zu seinem Urheber aufzeigt? Das ist auch deutlich durch jene Anhauchung Gottes ausgedrückt, durch die er Adam zuerst beseelte. So müssen wir denn aus diesen Zeugnissen offenbar schließen, daß Niemand Vater der Geister genannt werden könne als Gott allein, der sie aus Nichts macht, wie er will; daß aber die Menschen nur Väter unseres Leibes heissen. — So hatte denn auch der Teufel, insofern er als Geist oder guter Engel erschaffen wurde, Niemanden zum Vater als Gott seinen Schöpfer. Als er nun in Hochmuth aufgeblasen worden war und in seinem Herzen gesagt hatte: 8 „Ich werde über die Höhe der Wolken steigen und gleich sein dem Allerhöchsten,“ da wurde er ein Lügner und bestand nicht in der Wahrheit, sondern brachte aus dem Schatze der eigenen Bosheit die Lüge hervor und wurde nicht nur lügnerisch, sondern auch der Vater der Lüge, durch die er dem Menschen die Göttlichkeit versprach und sagte: „Ihr werdet sein wie Götter.“ Er blieb nicht in der Wahrheit, sondern wurde ein Menschenmörder von Anfang, da er jetzt den Adam in das Geschick der Sterblichkeit verflocht, jetzt den Abel mit seinen Anreizungen durch Bruderhand tödtete. Aber schon naht die Morgenröthe, um die Unterredung zu schließen, die wir nun, fast zwei Nächte durchwachend, gehalten haben, und ich ziehe den Kahn dieser Besprechung aus dem tiefen Meere der Fragen in den sichern Hafen des Schweigens, in welchem all’ meine Unwissenheit zusammengefaßt ist. Je weiter uns in dieser Tiefe der innere Hauch des göttlichen Geistes führt, um so weiter gähnt, vor dem Blicke sich hinstreckend, die Unermeßlichkeit, und nach dem Ausspruche Salomons 9 „wird sie immer ferner von uns als sie war, und die mächtige Tiefe, wer wird sie ergründen?“ Wir wollen also den Herrn bitten, [S. 541] daß in uns sowohl seine Furcht als die Liebe, die keinen Fall kennt, unerschütterlich dauere, damit sie uns weise mache unter den Menschen und unverletzt bewahre vor den Pfeilen des Teufels. Unter solchem Schutz ist es unmöglich, daß Einer in die Fesseln des Todes falle. Unter den Vollkommenen und Unvollkommenen ist aber dieser Abstand, daß in jenen die festgewurzelte, so zu sagen reifere und beharrlichere Liebe sie kräftiger schützt und leichter in der Heiligkeit ausdauern läßt: in diesen aber ist sie schwächer gegeben, leichter erkaltend, und laßt also schneller und öfter eine Verstrickung in den Fesseln der Sünde zu. Als wir Das gehört hatten, entflammte uns der Inhalt dieser Unterredung so, daß die geistige Glut, mit der wir von der Zelle des Greises weggingen, größer war als der Durst nach der Fülle seiner Lehre bei unserer Ankunft.

1: Diese etwas gezwungene Uebersetzung wurde gewählt, um die Möglichkeit des hier behandelten eigenthümlichen Mißverständnisses doch in Etwas darzustellen.
2: Joh. 8, 44.
3: Hebr. 12, 9.
4: Ps. 118, 73.
5: Job 10, 10.
6: Jerem. 1, 5.
7: Pred. 12, 7.
8: Is. 14, 14.
9: Pred. 7, 25.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger