Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum) Siebente Unterredung, welche die erste mit Abt Serenus ist, über die Veränderlichkeit der Seele und die bösen Geister.
[S. 469] 1. Keuschheit des Abtes Serenus. Da wir wünschen, den Abt Serenus, einen Mann von der größten Heiligkeit und Entsagung, einen Spiegel seines Namens, 1 den wir mit besonderer Verehrung vor den Übrigen bewundern, den Geistern der Strebsamen nahe zu bringen, so glauben wir unsern Wunsch nicht anders erreichen zu können, als wenn wir die Unterredungen mit demselben unserm Büchlein einzureihen versuchen. Diesem ist ausser den übrigen Tugenden, die nicht nur in seinem Thun und seinen Sitten, sondern auch durch Gottes Gnade selbst in seinem Angesichts leuchten, die Gabe der Keuschheit durch eine besondere Gunst so eingegossen, daß er sich nicht einmal durch die der Natur innewohnende Brunst beunruhigt fühlt, selbst nicht im Schlafe. Da Dieß nun über die Möglichkeit der menschlichen Natur hinauszugehen scheint, so [S. 470] halte ich für nöthig, zuerst zu erklären, wie er mit Hilfe der Gnade zu dieser ausgezeichneten Reinheit des Leibes gelangte. 1: Den Namen Serenus zeigt er in seinem ganzen Wesen wie in einem Spiegel.
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