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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Siebente Unterredung, welche die erste mit Abt Serenus ist, über die Veränderlichkeit der Seele und die bösen Geister.

6. Von der Beharrlichkeit in der Bewachung der Gedanken.

Daß wir aber Gott anhangen können und müssen, erfassen wir sowohl durch eigene Erfahrung, wenn wir die Lüste abgetödtet und die Begierden dieser Welt ausgerissen haben; als auch werden wir darüber durch das Ansehen Jener belehrt, die in der Unterredung mit dem Herrn zuversichtlich sprechen: 1 „Meine Seele hängt an dir“ und: 2 „Ich hänge an deinen Zeugnissen, o Herr;“ und: 3 „Mir aber ist es gut, Gott anzuhangen;“ ferner: 4 „Wer dem Herrn anhängt, ist ein Geist (mit ihm).“ Wir dürfen uns [S. 479] also von diesen Abschweifungen des Gemüthes nicht so ermüden lassen, daß wir von diesem Streben ablassen. „Denn wer sein Land bebaut, wird sich sättigen mit Brod; wer aber dem Müssiggang sich ergibt, wird voll Dürftigkeit sein.“ 5 Wir wollen auch nicht unsere Richtung auf dieses Verhalten durch verderbliche Verzweiflung brechen lassen, weil „in jedem Bekümmerten noch mehr steckt.“ 6 Denn wer in Annehmlichkeit und ohne Schmerz ist, der wird in Dürftigkeit sein. Und wieder: „Ein Mann in Schmerzen leidet für sich und thut Gewalt an seinem Verderben.“ 7 So leidet auch das Himmelreich Gewalt, und nur die Gewaltthätigen reissen es an sich. Denn keine Tugend wird ohne Mühe vollendet, und Keinem ist es möglich, zu jener Beständigkeit des Geistes, die ihr wünscht, ohne große Betrübniß des Herzens zu gelangen. Der Mensch ist ja zur Arbeit geboren. Damit man also zu einem vollkommenen Manne werde nach dem Maaße des Vollalters Christi, muß man mit immer größerer Spannung wachsam sein und in beständiger Sorgfalt sich abmühen. Zu diesem künftigen Vollmaaße wird jedoch Niemand gelangen, der nicht in der Gegenwart zuvor darüber nachgedacht und sich darin unterrichtet und es in diesem Leben noch im Voraus verkostet hat, so daß er, als Christi kostbares Glied erklärt, das Unterpfand dieser Verbindung, durch die er mit dem Leibe Christi vereinigt werden kann, schon in diesem Leibesleben besaß — Eines nur verlangend, nach Einem dürstend, auf Eines nicht nur alle Handlungen, sondern auch alle Gedanken richtend, daß er Das, was für die Zukunft von dem seligen Leben der Heiligen gesagt wird, schon in der Gegenwart durch das Unterpfand besitze, nemlich, daß ihm Gott sei Alles in Allem.

1: Ps. 62, 9.
2: Ps. 118. 31.
3: Ps. 72, 28.
4: I. Kor. 6, 17.
5: Sprüchw. 28, 19.
6: Sprüchw. 14. (In der Vulgata völlig unähnlich).
7: Sprüchw. 16, 26.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger