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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Siebente Unterredung, welche die erste mit Abt Serenus ist, über die Veränderlichkeit der Seele und die bösen Geister.

5. Von der Vollkommenheit der Seele, die nach dem Gleichnisse des evangelischen Hauptmannes aufgefaßt wird.

Ein Bild nun dieses vollkommenen Geistes wird uns ganz schon in jenem evangelischen Hauptmanne gezeichnet, dessen Tugend und Standhaftigkeit, kraft deren er nicht durch irgend welche andringende Gedanken abgezogen wurde, da er nach eigener Entscheidung entweder die guten zuließ oder die verkehrten ohne Schwierigkeit vertrieb, — unter folgender bildlicher Bezeichnung geschildert wird: „Denn auch ich bin ein Mensch, der unter Obergewalt gestellt ist, habe aber Soldaten unter mir, und sage ich nun diesem: Geh— so geht er, und jenem: Komm — so kommt er, oder zu meinem Knechte: Thu das — so thut er es.“ Wenn also auch wir durch männlichen Kampf gegen die Verwirrungen und Laster dieselben unserer Herrschaft und Entscheidung unterwerfen konnten, und streitend in unserm Fleische die Leidenschaften auslöschen oder die unstäte Schaar unserer Gedanken der Herrschaft der Vernunft unterwerfen und unter der heilbringenden Fahne des göttlichen Kreuzes die so grausamen Schaaren der feindlichen Mächte [S. 476] aus den Grenzen unserer Brust hinaustreiben konnten: dann werden wir für das Verdienst solcher Triumphe zum Range eines solchen geistigen Hauptmanns befördert, wie wir ihn auch im Exodus von Moses mystisch geschildert lesen: 1 „Stelle dir Befehlshaber auf über Tausend und Hundert und Fünfzig und Zehn.“ Und so werden auch wir auf den Gipfel dieser Würde erhöht, diese Gewalt und Macht zu herrschen haben, kraft deren wir nicht gegen unsern Willen von den Gedanken abgezogen werden, sondern bei denen verweilen und stehen bleiben können, die uns geistig ergötzen, indem wir den bösen Einflüsterungen gebieten: „Geht,“ und sie gehen — den guten aber sagen: „Kommt,“ und sie kommen. So werden wir auch unserm Diener, d. i. unserm Leib, gleichfalls Das, was zur Keuschheit und Enthaltsamkeit gehört, auftragen und er wird ohne jeden Widerspruch dienen, ohne uns ferner die entgegengesetzten Stachel der Begierde zu erregen, voll Unterthänigkeit gegen den Geist. Welches nun die Waffen dieses Hauptmannes seien, und zu welchen Kampfesübungen sie gerüstet werden, darüber laß uns die Predigt des hl. Apostels hören: 2 „Die Waffen unseres Kriegsdienstes,“ sagt er, „sind nicht fleischliche, sondern mächtig für Gott.“ Er sagt also, welcher Art sie seien, nemlich nicht fleischlich und schwach, sondern geistig und stark für Gott. Dann legt er folgerichtig nahe, zu welchen Kämpfen sie zu brauchen seien. „Zur Zerstörung fester Bollwerke, indem wir die Gedanken reinigen und jede Höhe, die sich erhebt wider die Erkenntniß Gottes, und indem wir gefangen nehmen jeden Verstand für den Gehorsam Christi und bereit sind, jeden Ungehorsam zu strafen, nachdem euer Gehorsam vollständig geworden sein wird.“ Dieß alles einzeln durchzugehen, wie es nöthig wäre, gehört für eine andere Zeit. Ich will euch nur die Arten und Eigenthümlichkeiten der Waffen darlegen, mit denen auch wir, wenn wir wollen, die Kämpfe [S. 477] des Herrn durchfechten und unter den evangelischen Centurionen Kriegsdienst leisten müssen, indem wir immer gerüstet einhergehen. „Nehmet,“ sagt er, „den Schild des Glaubens,“ an welchem ihr alle die feurigen Geschoße des Erzbösewichts könnet auslöschen lassen. Also der Glaube ist jener Schild, welcher die glühendsten Pfeile der Begierden auffängt und sie durch die Furcht vor dem künftigen Gericht und durch den Glauben an das himmlische Reich vernichtet. „Und den Panzer,“ sagt er, „der Liebe.“ Sie ist es nemlich, welche die edlen Theile unserer Brust umgibt und schützt und sich stemmend gegen die tödtlichen Wunden der Verwirrungen die feindlichen Stöße abprallen und die Geschoße des Teufels nicht bis zu unserm innern Menschen gelangen läßt. Denn Alles erträgt, Alles leidet sie, Alles hält sie aus. Und „als Helm, die Hoffnung des Heils.“ Der Helm ist der Schutz des Hauptes. Weil also unser Haupt Christus ist, müssen wir es immer durch die Hoffnung auf die künftigen Güter, wie durch einen unverletzlichen Helm in allen Versuchungen und Verfolgungen schützen und insbesondere seinen Glauben unverletzt und rein bewahren. Denn wenn Einer an andern Gliedern verstümmelt ist, so kann er doch noch weiter leben, wenn er auch schwach ist. Ohne das Haupt aber ist Keinem mehr eine, wenn auch noch so kurze Lebensdauer gegönnt. „Und das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist.“ „Denn es ist durchdringender als jedes zweischneidige Schwert und reicht bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Fugen und Mark und entscheidet über Gedanken und Absichten des Herzens“ — trennend und abreissend, was es immer in uns Fleischliches und Irdisches findet. Wer immer mit diesen Waffen gerüstet ist, der wird, da er gegen feindliche Geschoße und Vernichtung immer geschützt ist, nicht wie ein Gefangener und Unterworfener in den Fesseln der Beutelustigen fortgeführt in das feindliche Land der Gedanken und wird nicht vom Propheten hören: „Warum bist du alt geworden im fremden Land?“ sondern wie triumphirend und siegreich wird er in jenem Gebiete der Gedanken stehen, [S. 478] in welchem er will. Willst du nun aber die Stärke und Tapferkeit dieses Hauptmannes, mit denen er diese genannten Waffen trägt, die nicht fleischlich sind, sondern mächtig für Gott, erkennen? Höre den König selbst, der die tapfern Männer zum geistigen Kampfe sammelt, wodurch er sie als erwählt kennzeichne und bewähre. 3 „Der Schwache,“ sagt er, „spreche: Tapfer bin ich — und wer geduldig ist, der sei Streiter.“ Seht ihr also, daß nur die Schwachen und Geduldigen die Kämpfe Gottes ausfechten können? Ohne Zweifel in jener Schwäche, in der dieser unser evangelischer Hauptmann gegründet war, da er mit Zuversicht sprach: 4 „Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ Und wieder: „Die Kraft wird in der Schwäche vollendet.“ Von dieser Schwäche sagt einer der Propheten: 5 „Wer schwach ist unter euch, wird (so stark) sein wie das Haus Davids.“ Auch der Geduldige wird diese Kämpfe führen, nämlich jene Geduld, von der es heißt: 6 „Die Geduld ist euch nothwendig, damit ihr den Willen Gottes thuet und die Belohnung empfanget.“

1: Exod. 18.
2: II. Kor. 10, 4. 5.
3: Joel 3, 10.
4: II. Kor. 12. 10.
5: Zach. 12, 8.
6: Hebr. 10, 36.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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