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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Siebente Unterredung, welche die erste mit Abt Serenus ist, über die Veränderlichkeit der Seele und die bösen Geister.

32. Von den verschiedenen Strebungen und Willensrichtungen, die bei den Mächten der Luft stattfinden.

Daß aber bei den unreinen Geistern so viele Strebungen seien als bei den Menschen, läßt sich zweifellos be- [S. 504] weisen. Denn es ist bekannt, daß Einige derselben, welche das Volk auch Faune nennt, in der Weise Irrgeister und Witzbolde sind, daß sie gewisse Orte und Wege beständig besetzen, aber die Vorübergehenden, denen sie beikommen können, nicht etwa gerne quälen, sondern zufrieden mit Gelächter und Verhöhnung mehr zu necken streben als zu schädigen. Andere pflegen sich Nachts ohne Schaden auf die Menschen zu legen; wieder Andere aber sind von solcher Wuth und Wildheit, daß sie nicht zufrieden sind, nur die Körper Jener, in denen sie hausen, mit furchtbarer Zerfleischung zu quälen, sondern sich auch rasend auf die Vorübergehenden stürzen und sie grausam ermorden. So werden Jene im Evangelium geschildert, 1 aus Furcht vor welchen Niemand jenen Weg zu gehen wagte, und die sammt allen Ihresgleichen auch ohne Zweifel große Freude an Kriegen und Blutvergießen haben, wie es ihrer unersättlichen Wildheit entspricht. Von Andern, welche das Volk auch Bacuzen nennt, sehen wir, daß sie die Besessenen so sehr mit leerem Dunst erfüllen, daß sie sich über die Höhe ihres Körpers aufrichten und bald sich in irgend welchen hohen Mienen und Geberden überheben, bald sich herablassen und sich mit einer gewissen Ruhe und Zutraulichkeit leutselig und einschmeichelnd unterwerfen. Da sie sich für hervorragende und allgemein angesehene Leute halten, so benehmen sie sich wohl das eine Mal, als ob sie höhere Gewalten mit Beugung des Körpers verehren, aber dann glauben sie wieder, daß sie von Andern verehrt werden, und machen so abwechselnd alle Bewegungen, in welchen die wirklichen Manieren des Hochmuthes und der Demuth sich darstellen. Andere finden wir, die nicht bloß auf Lügen sinnen, sondern den Menschen auch Gotteslästerungen eingeben. Davon sind auch wir Zeugen, da wir ganz deutlich einen Dämon bekennen hörten, er habe durch Arius und Eunomius die Ruchlosigkeit eines sakrilegischen Dogmas [S. 505] verkündet. Das hat auch, wie wir im vierten Buche der Könige lesen, Einer von diesen selbst klar ausgesprochen: 2 „Ich werde ausgehen und ein Lügengeist sein im Munde aller seiner Propheten.“ Über Diese führt der Apostel im Tadel Derjenigen, die von ihnen verführt werden, Folgendes an: 3 „Sie merken auf verführerische Geister und auf die Lehren der Teufel, die in Heuchelei Lüge reden.“ Daß es dann noch andere Arten von Teufeln gibt, nemlich stumme und taube, das bezeugen die Evangelien. 4 Auch daß es solche gibt, welche Lüsternheit und Unzucht entzünden, erwähnt der Prophet, indem er sagt: 5 „Der Geist der Buhlerei hat sie verführt, und sie trennten sich buhlerisch von ihrem Gotte.“ Ebenso lehrt die Autorität der Schriften von Nachtgeistern und von Tag- und Mittagsteufeln. Es würde zu weit führen, wenn wir über ihre Verschiedenheit alle Bände der Schriften durchgehen und einzeln aufzählen wollten, welche vom Propheten 6 als Onocentauren, haarige, Sirenen, Lamien, als Käuzlein, Strauße oder Igel bezeichnet werden, welche Schlangen und Basilisken im Psalm, 7 und welche Löwen, Drachen, Skorpionen im Evangelium 8 genannt werden, ferner, welche als Fürsten dieser Welt, als Machthaber dieser Finsternisse und als Geister der Bosheit vom Apostel 9 angeführt werden. Wir müssen nicht meinen, daß diese Bezeichnungen ihnen durch Zufall oder willkürlich beigelegt wurden, sondern daß durch die Benennung nach jenen Thieren, die bei uns mehr oder schädlich sind, ihre Wildheit und Wuth unter- [S. 506] schieden werde, und daß nach der Ähnlichkeit mit der giftigen Bosheit oder der hervorragenden Stellung, welche den Einen ihre ganz besondere Bösartigkeit unter den Thieren oder Schlangen verleiht, auch die Andern mit deren Namen genannt werden; so daß also der Eine wegen der Heftigkeit seiner Wuth und seiner rasenden Wildheit den Namen des Löwen erhielt, ein Anderer den des Basilisken wegen jenes todtbringenden Giftes, das schon tödtet, ehe es gefühlt wird; ein Dritter wegen seiner kalten Bosheit den des Onocentauren oder des Igels oder Straußes.

1: Matth. 8.
2: III. Kön. 22, 22; II. Paral. 18, 21.
3: I. Tim. 4, 1. 2.
4: Luk. 11; Mark. 9.
5: Oseas 4, 12.
6: Is. 34. Onocentauren sind Ungeheuer unbekannter Art; haarige, pilosi sind Waldteufel; Lamien sind gespenstische Frauen, welche Kindern und besonders Jünglingen das Blut aussaugen, eine Art Vampyre. — Diese stolzen Geister, die Gott gleich sein wollten, statt ihn liebend nachzuahmen, mögen nun so den Thieren ähnlich sein und diese nachahmen.
7: Ps.90, 13.
8: Luk. 10, 19; Joh. 14, 30.
9: Ephes. 6, 12.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger