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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Siebente Unterredung, welche die erste mit Abt Serenus ist, über die Veränderlichkeit der Seele und die bösen Geister.

23. Von der verminderten Macht der Dämonen.

Es ist uns jedoch hinlänglich kund geworden, sowohl durch unsere Erfahrung als durch den Bericht der Vorfahren, daß die Teufel jetzt nicht mehr dieselbe Gewalt haben wie in früherer Zeit, bei den ersten Anfängen der Anachorese, wo noch wenige Mönche in der Wüste weilten. So groß war nämlich ihre Wildheit, daß kaum Wenige und sehr Standhafte und im Alter Vorgerückte den Aufenthalt in der Wüste ertragen konnten. Ja selbst in den Klöstern, in welchen acht oder zehn wohnten, tobte so sehr ihre Wuth und ließ so häufige, sichtbare Angriffe fühlen, daß Nachts nicht Alle zu gleicher Zeit zu schlafen wagten, sondern daß abwechselnd, während die Einen den Schlaf genoßen, Andere Wache hielten und fleissig den Psalmen, Gebeten und Lesungen oblagen. Und wenn nun diese die Natur mit Nothwendigkeit zum Schlafe aufforderte, so wurden die Andern geweckt und zum Schutze Derer, die schlafen wollten, gleichfalls zum Wachen aufgestellt. Der Grund nun, warum diese Ruhe und Zuversicht nicht nur uns, die wir [S. 495] durch die Erfahrung des Greisenalters einigermaßen gestärkt scheinen, sondern auch den Jüngern zu Theil wird, ist wohl unzweifelhaft einer von diesen beiden: Entweder ist durch die Kraft des Kreuzes, die auch die Wüste durchdringt, und durch seine Gnade, die überall leuchtet, die Bosheit der Teufel zurückgestoßen, oder unsere Nachlässigkeit hat jene von der frühern Anfechtung abzulassen vermocht, da sie es verschmähen, gegen uns mit der frühern Anspannung zu streiten, mit der sie damals gegen jene bewährtesten Streiter Christi wütheten, nur daß sie uns freilich durch diese Heimtücke der unsichtbaren Versuchungen härter zu Boden werfen. Denn wir sehen, daß die Lauheit Einige so sehr zum Falle gebracht hat, daß man sie sogar mit den nachsichtigsten Ermahnungen streicheln muß, damit sie nun ja nicht ihre Zellen verlassen und in gefährlicheren Umtrieben sich gehen lassen, wobei sie unstät und herumlaufend in ärgere Laster verwickelt würden. Man glaubt also bei ihnen schon einen großen Erfolg erreicht zu haben, wenn sie sich nur, obwohl mit einer gewissen Lässigkeit, in der Einsamkeit halten, und die Alten pflegen ihnen als großes Heilmittel zu sagen: Sitzet in euere Zellen und esset und trinket und schlafet, wie ihr wollt, wenn ihr nur beständig in denselben ausharret.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger