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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Siebente Unterredung, welche die erste mit Abt Serenus ist, über die Veränderlichkeit der Seele und die bösen Geister.

21. Daß die Teufel im Kampfe mit den Menschen auch selbst Plage haben.

Wir glauben aber, daß Jene diesen Kampf nicht ohne eigene Plage zu Stande bringen. Denn sie haben auch selbst bei ihrem Streit eine gewisse Angst und Traurigkeit und besonders, wenn sie mit stärkeren Gegnern, d. i. mit heiligen, vollkommenen Männern zusammengetroffen sind. Sonst wäre es nicht ein Kämpfen und Ringen, sondern es wäre ihnen nur ein einfacher und so zu sagen gefahrloser Betrug der Menschen gestattet. Wie könnte dabei jenes Wort des Apostels stehen bleiben: 1 „Wir haben nicht Kampf gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrschaften und Mächte, gegen die Herren dieser Welt der Finsternisse, gegen die Geister der Bosheit in den Lüften;“ und wieder: 2 „So kämpfe ich, nicht als schlüge ich die Luft;“ ferner: 3 „Ich habe den guten Kampf gekämpft.“ Denn wo von einem Kampfe die Rede ist und von Streit und Krieg und Ringen, da muß nothwendig auf beiden Seiten Schweiß und Mühe und Sorge angenommen werden und die Parteien in gleicher Weise entweder Schmerz und Scham über die Niederlage erwarten oder Freude über den Sieg ihnen werden. Wo aber bei dem heissen Kampfe des Einen der Andere mit Muße und Sicherheit streitet und zum Niederwerfen des Gegners nur nach Kräften seinen Willen braucht, da ist nicht von Kampf und [S. 491] Ringen und Streit die Rede, sondern von einer gewissen ungerechten und unberechtigten, gewaltsamen Unterdrückung. Aber in der That mühen sie sich ab bei ihrem Kampf gegen die Menschen und haben heisse Noth, um über Jeden den erwünschten Sieg davonzutragen, und es wendet sich auf sie zurück jene Beschämung, die uns erwartet hätte, wenn wir von ihnen wären überwunden worden, nach jener Stelle: 4 „Das Hauptziel ihrer Umlagerung, die Plage ihrer Lippen, falle auf sie;“ und: 5 „Es wende sich sein Schmerz auf sein Haupt;“ ferner: 6 „Es komme über ihn der Strick, den er nicht kennt, und die Falle, die er verbirgt, erfasse ihn, und er möge fallen in die Schlinge,“ nemlich in jene, die er zur Verführung der Menschen zu legen sinnt. Sie haben also nicht weniger Pein als wir, und wie sie uns übermannen, so werden auch sie überwunden und weichen besiegt nicht ohne Beschämung zurück. — Diese ihre Kämpfe und Verwüstungen sah täglich Einer, der die gesunden Augen des innern Menschen besaß, und sah, wie sie voll Freude waren über den Fall und Untergang der Einzelnen, und da er nun fürchtete, es möchte ihnen auch seinetwegen eine solche Freude zu Theil werden, bat er den Herrn und sprach: 7 „Erleuchte meine Augen, daß ich nicht jemals einschlafe im Tode; damit mein Feind nicht einmal sage: „Ich habe die Oberhand über ihn gewonnen.“ Die mich drängen, werden jubeln, wenn ich wanke;“ und: 8 „Mein Gott, mögen sie sich nicht freuen über mich, mögen sie nicht sprechen in ihren Herzen: „Ei, ei nach unserer Seelenlust“ und nicht sagen: „Verschlungen haben wir ihn;“ und: 9 „Sie knirschten über mich mit den Zähnen; Herr, wann wirst du darauf sehen?“ Denn 10 „er lauert im verborgenen Hinterhalt wie ein Löwe in seiner Höhle, er lauert, um den Armen zu erhaschen;“ und „er verlangt von Gott [S. 492] Speise für sich.“ Wenn nun aber diese nach Aufwand aller Versuche unsere Verführung nicht erreichen konnten, so müssen sie nothwendig über ihre vergebliche Mühe beschämt werden und erröthen, sie, die unsere Seelen suchen, um sie hinwegzunehmen; sie müssen mit Verwirrung und Scham bedeckt werden, die Böses gegen uns sinnen. Auch Jeremias sagt: 11 „Verwirrt mögen Jene werden, nicht aber ich; zagen mögen Jene und nicht ich; laß über sie hereinbrechen den Grimm deines Zornes, und mit doppeltem Schlage zermalme sie!“ Es ist wohl Keinem zweifelhaft, daß Jene, wenn sie von uns überwunden worden, mit doppelter Bestürzung niedergeschlagen sein müssen. Zuerst weil sie, den nach Heiligkeit strebenden Menschen gegenüber, dieselbe besessen und verloren haben und die Ursache geworden sind des menschlichen Verderbens; dann weil sie, die geistigen Substanzen, von den fleischlichen und irdischen besiegt worden sind. Beim Anblicke dieser Niederlagen der Feinde und seiner Siege ruft daher jeder Heilige mit Frohlocken aus: 12 „Ich werde meine Feinde verfolgen und sie ergreifen und mich nicht abwenden, bis sie dahin sind; zermalmen werde ich sie, und sie werden nicht Stand halten können, sondern fallen unter meine Füße.“ Gegen diese sagt auch derselbe Prophet im Gebete: 13 „Richte, o Herr, die mich schädigen; kämpfe nieder, die mich angreifen; nimm deine Wehr und deinen Schild und erhebe dich zu meiner Hilfe; schwinge deinen Speer und sperre ab gegen Die, welche mich verfolgen, und sage zu meiner Seele: Ich bin dein Heil.“ Wenn wir diese durch Unterwerfung und Tilgung aller Leidenschaften besiegt haben, werden wir würdig sein, jene segnende Stimme zu hören: 14 „Erhoben werde deine Hand über deine Feinde, und alle deine Widersacher werden zu Grunde gehen.“ Wenn wir nun all Das und Ähnliches, was in den hl. Büchern enthalten ist, lesen [S. 493] oder singen, ohne es auf diese bösen Geister, die uns bei Tag und Nacht auflauern, zu beziehen, so werden wir nicht nur daraus keine Erbauung zur Sanftmuth und Geduld erlangen, sondern auch eine gewisse harte und der evangelischen Vollkommenheit entgegengesetzte Stimmung fassen. Denn wir werden dann nicht nur die Lehre herausnehmen, nicht für unsere Feinde zu beten noch sie zu lieben, sondern auch gereizt werden, sie mit unversöhnlichem Hasse zu verabscheuen, ihnen zu fluchen und unaufhörlich gegen sie zu beten. Die Auffassung, daß so heilige Männer und Gottesfreunde Das in solchem Geiste 15 gesprochen hätten, ist doch zu schändlich und profan. Für sie war vor der Ankunft Christi das Gesetz deßhalb nicht gegeben, weil sie über die Gebote desselben hinausgingen und lieber, der Zeitordnung voraus eilend, den evangelischen Geboten gehorchen und nach der apostolischen Vollkommenheit streben wollten.

1: Ephes. 6, 12.
2: I. Kor. 9, 26.
3: II. Tim. 4, 7.
4: Ps. 139, 10.
5: Ps. 7, 17.
6: Ps. 34.
7: Ps. 12, 4 ff.
8: Ps. 34, 24. 25.
9: Ps. 34, 16. 17.
10: Ps. 9. 9 B.
11: Jerem. 17, 18.
12: Ps. 17, 38.
13: Ps. 34, 1—3.
14: Mich. 5, 9.
15: Freilich haben sie dergleichen nicht in solchem Geiste gesprochen, aber auch nicht bloß die Teufel gemeint, sondern zunächst gegen die sichtbaren Feinde des Reiches Gottes aus Eifer für Gottes Ehre so heftig geredet; diese Feinde standen nun allerdings unter dem Einfluß der Dämonen, gegen welche darum die Verwünschungen in den Psalmen mit gerichtet sind. Gegen die bösen Geister mag der christliche Beter solche Psalmen in erster Reihe richten. Vgl. übrigens Thalhofer, Erkl. d. Pss., zu Ps. 108.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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