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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Siebente Unterredung, welche die erste mit Abt Serenus ist, über die Veränderlichkeit der Seele und die bösen Geister.

3. Unsere Antwort über die Veränderlichkeit des Herzens.

Die vorgerechnete Zeit und die Bewohnung der Wüste, Anbetrachts welcher du auf die Vermuthung kommst, daß wir die Vollkommenheit des innern Menschen hätten erreichen müssen, hat uns doch nur Das eingetragen, daß wir lernten, was wir nicht sein können; hat aber nicht Das aus uns gemacht, wornach wir streben. Denn wir wüßten nicht, daß wir entweder die feste Beständigkeit der ersehnten Reinheit oder irgend eine Erstarkung in Kraft und Wissen erreicht hätten, sondern nur die Vermehrung der Verlegenheit und Scham. Während also das geistige Ringen bei allen Künsten in täglichem Streben dazu geübt und gefördert wird, daß man von matten Anfängen [S. 472] zu einer gewissen und ständigen Kenntniß komme und zu wissen anfange, was man vorher nur zweifelhaft oder gar nicht wußte, und daß man so zu sagen mit festem Schritte in der Eigenthümlichkeit jener Kunst vorschreitend. sich endlich vollkommen und ohne jede Schwierigkeit in ihr bewege: so finde ich im Gegentheil bei der Mühe dieses Strebens nach Reinheit, daß ich, nur das ausgerichtet habe, daß ich weiß, was ich nicht sein kann. Ich merke nicht, daß mir daraus etwas Anderes zugeht als Trauer mit solcher Bedrängniß des Herzens, daß niemals der Stoff zu Thränen fehlt und daß ich doch nicht aufhöre zu sein, was ich doch nicht sein soll. Und nun also, was nützt es, das Höchste kennen gelernt zu haben, wenn das Erkannte doch nicht ergriffen werden kann?

Denn wenn wir meinen, die Richtung des Herzens auf eine bestimmte Betrachtung zu stellen, da wendet sich unvermerkt der Geist von da ab und fällt in heftigerm Drang in die frühern Abschweifungen zurück; und so wird er, von den täglichen Zerstreuungen eingenommen, durch zahllose Fesseln unaufhörlich abgezogen, so daß wir beinahe schon an der gewünschten Besserung verzweifeln und diese Lebensweise uns überflüssig scheint, da ja doch der Geist jeden Augenblick auf schlüpfrigen Wegen abschweift. Wenn er auch zur Furcht Gottes und zur geistigen Betrachtung zurückgeführt wird, so verschwindet er doch flüchtiger wieder, ehe er darin befestigt werden kann. Und wenn wir dann, gleichsam erwacht, ihn von der vorgesteckten Richtung abgewichen finden und ihn zu der Beschauung, von der er wegging, zurückführen, ja mit der hartnäckigsten Anspannung des Herzens wie mit Banden ihn festhalten wollen, — da entschlüpft er während unseres Versuches schneller als ein Aal aus dem verborgenen Gewahrsam. Da wir nun in solchen Beobachtungen uns täglich aufregen und doch daraus für unser Herz keine Kraft der Beständigkeit erwachsen sehen, so sind wir, von der Verzweiflung gebrochen, auf diese Meinung gebracht worden, daß wir glauben, es hängen diese Ausschweifungen des Geistes dem menschlichen [S. 473] Geschlechte nicht durch unsere Schuld, sondern durch einen Fehler der Natur an.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger