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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Siebente Unterredung, welche die erste mit Abt Serenus ist, über die Veränderlichkeit der Seele und die bösen Geister.

15. Antwort, was die Teufel in den Gedanken der Menschen vermögen und was nicht.

Serenus: Es ist Niemandem zweifelhaft, daß die unreinen Geister auf die Beschaffenheit unserer Gedanken Ein- [S. 486] fluß haben können; aber sie erschließen dieselben durch merkbare Anzeichen von aussen, d. h. aus unsern Anlagen oder Reden und aus den Bestrebungen, zu denen sie uns mehr geneigt sehen. Übrigens können sie denen, die noch nicht aus dem Innern der Seele herausgetreten sind, durchaus nicht beikommen. Auch ob die Gedanken selbst, welche sie eingeben, angenommen oder wie sie angenommen wurden, können sie nicht durch die Natur der Seele selbst, d.h. durch jene innere Bewegung, die im Mark, um mich so auszudrücken, verborgen ist, erkennen, sondern durch die Bewegungen und Anzeichen des äussern Menschen, so daß sie z. B., wenn sie die Gastrimargie eingegeben haben, die Annahme der Begierde des Gaumens daraus erkennen, daß sie den Mönch das Auge neugieriger zum Fenster oder zur Sonne heben sehen, oder wie er zu sorgfältig nach der Tageszeit forscht. Wenn sie bei Eingebung der Unzucht merken, daß er geduldig den Pfeil der Begierde hinnimmt, oder ihn im Fleische aufgeregt sehen, oder wenigstens, daß er nicht so, wie er sollte, gegen die Frechheit der unreinen Einflüsterung seufze, so erkennen sie, daß das Geschoß der Lüsternheit im Innern der Seele hafte. Wenn sie Anreizungen zur Traurigkeit, zum Zorne, zur Wuth beigebracht haben, so erkennen sie durch die Geberde des Körpers und durch die sinnliche Bewegung, ob sie im Herzen sich festsetzten, wenn sie nemlich sehen, daß der Mönch entweder schweigend erzittert oder mit einer gewissen Entrüstung seufzt, oder daß sein Angesicht in Blässe und Nöthe wechselt, — und so entdecken sie schlau, welchem Laster einer ergeben sei. Denn sie erkennen in sicherm Schluß, daß Jeder von uns an dem sich ergötze, bei dessen reizender Darstellung sie ihn durch ein Zeichen oder eine Bewegung des Körpers feine Einwilligung und Zustimmung geben sehen. Daß derlei von solchen ätherischen Kräften so entdeckt werden könne, ist nicht zu wundern, da wir sehen, daß Dieß auch sehr oft von klugen Männern geschieht, daß sie nemlich den Zustand des innern Menschen aus der Gestalt, dem Angesichts und der Beschaffenheit des äussern erkennen. Wie viel sicherer [S. 487] wird also das von Jenen entdeckt werden können, die unzweifelhaft, weil geistiger Natur, viel genauer unterscheiden und klüger urtheilen als die Menschen!

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger