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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Siebente Unterredung, welche die erste mit Abt Serenus ist, über die Veränderlichkeit der Seele und die bösen Geister.

12. Antwort, wie die unreinen Geister über die Besessenen herrschen.

Serenus: Unserer vorgenannten Lehrbestimmung steht nicht entgegen, was, wie ihr sagt, bei den Besessenen geschieht, wenn sie, von den unreinen Geistern ergriffen, reden oder thun, was sie nicht wollen, oder gezwungen werden, Solches vorzubringen, was sie nicht wissen. Denn es [S. 483] ist ganz gewiß, daß sie nicht auf dieselbe Weise dieses Eindringen der Geister erdulden. Es werden nemlich Einige so angefacht, daß sie durchaus nicht einsehen, was sie thun oder reden; Andere aber wissen es und erinnern sich nachher daran. Man muß nun nicht glauben, daß das durch eine Eingießung des unreinen Geistes so geschehe, daß dieser in die Substanz der Seele selbst eindringe und gleichsam mit ihr vereint, ja wie bekleidet mit ihr die Worte und Reden durch den Mund des Leidenden hervorbringe. Vielmehr muß man glauben, daß das durchaus nicht von ihnen geschehen könne. Denn nicht durch eine Schwächung, der Seele, sondern durch die Schwäche des Körpers geschieht Dieß, wie sich in klarem Beweise zeigt, da nemlich der unreine Geist in jenen Gliedern, an welche die Lebenskraft der Seele gebunden ist, seinen Sitz nimmt, ihnen eine unerträgliche, ungeheure Last auferlegt und so mit der schwärzesten Nacht auch die geistigen Sinne überfällt und gefangen nimmt. Wir sehen das auch oft eintreten durch Schuld des Weines oder Fiebers oder zu großer Kälte und durch andere Krankheitszustände, die von aussen über uns kommen. Daß der Teufel Dieß nicht auch dem frommen Job, über dessen Fleisch er Gewalt bekommen hatte, anzuthun suchte, daran hinderte ihn das Gebot des Herrn, der da sprach: „Siehe, ich gebe ihn in deine Hände, nur schone mir seine Seele,“ d. h. nur mache ihn nicht wahnsinnig, indem du die Wohnung seiner Seele schwächest und den Geist angreifst oder das Organ der Vernunft, durch welche er dir widerstehen muß, verwundest; auch darfst du die Einsicht und Weisheit des Widerstehenden nicht drücken, indem du den edelsten Theil seines Herzens 1 mit deiner Last erstickst.

1: Nach der Ausdrucksweise der Alten ist darunter der Geist zu verstehen.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger