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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Fünfte Unterredung, welche die des Abtes Serapion über die acht Hauptsünden ist.

10. Über die Zusammenstimmung von sechs Lastern und die Verwandtschaft der zwei von ihnen abweichenden.

Obwohl diese acht Sünden verschiedenen Ursprung und ungleiche Bethätigung haben, so sind doch die sechs ersten, also die Völlerei (Gaumenlust), Unzucht, Habsucht, Zorn, Traurigkeit, Verdrossenheit durch eine gewisse Verwandtschaft und so zu sagen Verkettung unter sich verbunden, so daß die Überfülle der vorhergehenden zum Anfang für die [S. 420] folgende wird. Denn aus der Üppigkeit der Völlerei entsteht nothwendig Unzucht, aus der Unzucht Habsucht, aus der Habsucht Zorn, aus diesem die Traurigkeit und aus ihr die Verdrossenheit; deßhalb muß man gegen diese in ähnlicher Weise und gleichem Verhalten kämpfen und den Widerstreit gegen die nachfolgenden immer von den vorausgehenden beginnen. Denn viel leichter verdorrt die schaden-bringende Breite und Höhe eines Baumes, wenn zuvor die Wurzeln, auf die er sich stützt, entweder entblößt oder abgeschnitten sind. Ebenso werden widrige Gewässer sogleich austrocknen, wenn die sie erzeugende Quelle und die hervorsprudelnden Adern mit emsiger Sorgfalt verstopft sind. Damit also die Acedie besiegt werde, muß zuvor die Traurigkeit überwunden werden; um diese zu vertreiben, werde zuvor der Zorn hinausgestoßen; um ihn auszulöschen, zertrete man die Habsucht; damit diese ausgerissen werde, muß die Unzucht gezügelt werden; und zu ihrer Vernichtung züchtige man das Laster der Völlerei. — Die zwei übrigen, nemlich die Prahlsucht und der Hochmuth, sind zwar gleichfalls unter sich auf eine solche Weise verbunden, wie wir von den obigen Lastern sagten, so daß die Zunahme des einen zum Anfang des andern wird, — so erzeugt die überwuchernde Ruhmsucht den Zündstoff des Hochmuths; — aber sie weichen doch von jenen sechs vorigen Sünden ganz ab und sind durch keine ähnliche Gemeinschaft mit ihnen verbunden. Sie erhalten nemlich nicht nur von jenen keine Veranlassung zu ihrer Entstehung, sondern werden auch in gerade entgegengesetzter Weise und Ordnung erregt; denn wenn jene ausgerissen sind, setzen diese reichere Früchte an, und durch den Tod jener keimen und wachsen diese lebendiger. Deßhalb werden wir auch in anderer Weise von diesen beiden Lastern angefochten; denn in jedes jener sechs Laster fallen wir dann, wenn wir von dem ihm vorhergehenden überwunden sind; aber in die Gefahr dieser beiden gerathen wir als Sieger und am meisten nach Triumphen. Wie nun alle Sünden durch das Wachsthum der frühern erzeugt werden, so werden sie auch durch deren Verminderung ent- [S. 421] fernt. Aus diesem Grunde muß die Ruhmsucht erstickt werden, damit der Hochmuth ausgemerzt werden könne. So werden immer, wenn die vorhergehenden überwunden sind, die nachfolgenden ruhen und nach Erlöschung der ersten Leidenschaften die übrigen ohne Mühe schwinden. Obwohl nun diese acht genannten Laster in der erwähnten Weise unter sich verbunden und vermischt sind, so kann man sie doch noch eigens in vier Verbindungen und Paare eintheilen; denn mit der Völlerei verbindet sich die Unzucht in besonderer Gemeinschaft, mit der Habsucht der Zorn, mit der Traurigkeit die Verdrossenheit und mit der Ruhmsucht der Hochmuth in engerer Freundschaft.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger