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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Fünfte Unterredung, welche die des Abtes Serapion über die acht Hauptsünden ist.

19. Warum nur das Volk Ägyptens verlassen, die übrigen aber vernichtet werden müssen.

Daß aber jenes Volk, unter welchem die Söhne Israels geboren worden, nicht ganz vernichtet, sondern daß nur sein Land verlassen werden sollte, aber diese sieben bis zur Ausrottung vernichtet werden müssen, hat darin seinen Grund, daß, wenn wir auch mit noch so großem Feuereifer des Geistes in die Wüste der Tugenden eingezogen sind, wir doch die Nachbarschaft und Herrschaft der Gastrimargie und gewissermaßen den täglichen Umgang mit ihr nicht entbehren können. Denn immer wird in uns die Neigung zu Speise und Eßwaaren als angeborene und naturwüchsige fortleben, obwohl wir uns abmühen, ihre überflüssigen Wünsche und Forderungen zu beschneiden, um so Das, was nicht ganz vernichtet werden kann, doch pflichtgemäß durch ein gewisses Ausweichen zu vermeiden. Davon heißt es: 1 „Für das Fleisch traget nicht Sorge in Begierden!“ Während wir also für diese Sorge, die wir nach dem Gebote nicht ganz abschneiden, sondern nur ohne Begierden haben sollen, eine Neigung zurückbehalten, richten wir offenbar die ägyptische Nation nicht zu Grunde, sondern werden nur [S. 435] von ihr durch eine gewisse Trennung ferngehalten, indem wir nicht an überflüssige oder gar zu leckere Mahlzeiten denken, sondern nach dem Apostel mit der täglichen Nahrung und Kleidung zufrieden sind. Das wird vorbildlich auch im Gesetze geboten: 2 „Verabscheue nicht den Ägypter, denn du warst Fremdling in seinem Lande.“ Man kann nemlich dem Körper die nothwendige Nahrung nicht verweigern, ohne ihn selbst zu verderben oder die Seele zu verschlechtern. Aber die Regungen jener sieben Störungen müssen als in jeder Beziehung schädlich aus den Schlupfwinkeln unserer Seele vollständig entfernt werden. Denn von diesen heißt es: 3 „Jede Bitterkeit, Zorn, Unwille, Polterei und Gotteslästerung werde von euch entfernt sammt aller Bosheit;“ und wieder:«) „Buhlerei aber und alle Unreinigkeit und Geiz werde nicht einmal genannt unter euch, oder Schändlichkeit, oder thörichtes Geschwätz und Leichtfertigkeit.“ Wir können also die Wurzeln dieser Laster, welche der Natur mehr obenhin eingepflanzt sind, abschneiden; aber die Ausübung der Gastrimargie können wir durchaus nicht abthun. Denn so weit wir auch vorwärts kommen, wir können doch nicht das nicht sein, als was wir geboren wurden. Daß dem so sei, zeigt sich sowohl bei uns, die wir freilich gering sind, als auch in dem Leben und Wandel aller Vollkommenen. Während diese die Stachel der übrigen Leidenschaften ausgeschnitten haben und in die Wüste mit allem Eifer des Geistes und aller Entsagung des Leibes eindringen, können sie doch nicht frei werden von der Fürsorge für den täglichen Lebensunterhalt und der Bereitung des jährlichen Brodes.

1: Röm. 13, 14.
2: Deuter. 23.
3: Ephes. 4.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger