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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Fünfte Unterredung, welche die des Abtes Serapion über die acht Hauptsünden ist.

[S. 429] 15. Daß wir Nichts gegen die Laster vermögen ohne die Hilfe Gottes, und daß wir uns wegen Besiegung derselben nicht überheben dürfen.

Aber er ermahnt auch ebenso, daß wir uns im Siege über dieselben nicht überheben dürfen. „Aber“, sagt er, „nachdem du gegessen hast und satt geworden bist, schöne Häuser gebaut und sie bezogen hast, nachdem du Rinder und Schafheerden bekommen hast und Gold und Silber und alle Dinge im Überfluß, da überhebe sich nicht dein Herz und vergiß nicht den Herrn deinen Gott, der dich aus dem Lande Ägypten geführt hat, aus dem Hause der Knechtschaft, und der dein Führer war in der großen und furchtbaren Wüste.“ 1 Auch Salomon sagt in den Sprüchwörtern: 2 „Wenn dein Feind fällt, frohlocke nicht, und bei seinem Untergang überhebe dich nicht, damit es nicht der Herr sehe mit Mißfallen und er seinen Zorn von Jenem wegwende,“ d. i. damit er nicht beim Anblick deines innern Hochmuthes von der Verfolgung desselben ablasse und du nun von ihm verlassen wieder anfangest, von derselben Leidenschaft beunruhigt zu werden, welche du mit Gottes Gnade vorher überwunden hattest; denn der Prophet hätte nicht im Gebete gesprochen: 3 „Übergib nicht, o Herr, den Wilden Thieren die Seele, welche dich bekennt,“ wenn er nicht gewußt hätte, daß Einige wegen der Überhebung ihres Herzens zur Demüthigung wieder denselben Lastern übergeben werden, die sie schon besiegt hatten. Wir dürfen deßhalb sicher sein, da uns sowohl die Erprobung der Thatsachen als unzählige Zeugnisse der hl. Schriften lehren, daß aus unsern Kräften, wenn wir nicht einzig gestützt würden durch die Hilfe Gottes, wir solche Feinde nicht besiegen könnten, und daß wir also auf ihn jeden Tag unsern ganzen Sieg beziehen müssen. Dazu ermahnt uns auch Gott [S. 430] durch Moses in folgender Weise 4 „Wenn der Herr dein Gott sie vor deinen Augen vernichtet haben wird, so sage nicht in deinem Herzen: Wegen meiner Gerechtigkeit hat mich der Herr hereingeführt, dieses Land zu besitzen, da jene Nationen wegen ihrer Ungerechtigkeit vernichtet worden sind. Denn nicht wegen deiner Gerechtigkeit und der Geradheit deines Herzens wirft du einziehen zum Besitz ihres Landes, sondern weil jene Ruchloses gethan, so sind sie bei deinem Einzüge vernichtet worden.“ Ich frage, wie man noch deutlicher reden könnte gegen unseren verderblichen Dünkel und Hochmuth, in welchem wir all unser Thun dem freien Willen oder unserm Eifer anrechnen wollen. Sage nicht, spricht er, in deinem Herzen, wenn der Herr dein Gott sie vor deinen Augen vernichtet hat: Wegen meiner Gerechtigkeit hat mich der Herr hereingeführt zum Besitze dieses Landes! Sagt er damit nicht Jedem, der offene Geistesaugen hat und Ohren zum Hören, ganz deutlich: Wenn dir die Kämpfe gegen die fleischlichen Laster gut gelungen sind, und du siehst dich von ihrem Schmutz und dem Wandel dieser Welt befreit, so schreibe das nicht im Hochmuth über den Erfolg des Kampfes und Sieges deiner Kraft und Weisheit zu und glaube nicht, daß du durch dein Mühen und Streben und deinen freien Willen über die geistigen Bosheiten und fleischlichen Laster gesiegt habest. Diese hättest du ohne Zweifel in Nichts ganz überwinden können, wenn dich nicht Gottes Hilfe gestützt oder geschützt hätte.

1: Deuteron. 8, 12 ff.
2: Sprüchw. 24, 17. 18. Die Vulgata abweichend.
3: Ps. 73, 19.
4: Deuteron. 9, 4.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger