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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Vierte Unterredung, welche die mit Abt Daniel ist über die Begierlichkeit des Fleisches und des Geistes.

6. Daß es uns nützlich sei, zuweilen von Gott verlassen zu werden.

So sehr nun erkannte der hl. David dieses besagte Zurückweichen oder, um mich so auszudrücken, diese Flucht Gottes als eine uns nützliche, daß er keineswegs Gott bitten will, durchaus in keiner Weise verlassen zu werden. Denn er wußte, daß Dieß weder ihm noch der menschlichen Natur entsprechend sei, wenn sie zu irgend einer Vollkommenheit gelangen wolle; er bittet nur um Milderung und sagt: 1 „Verlaß mich nicht ganz und gar!“ Das heißt mit andern Worten: Ich weiß, daß du deine Heiligen in heilsamer Weile zu verlassen pflegst, um sie zu prüfen; denn sie können sonst von ihrem Widersacher nicht versucht werden, wenn sie nicht ein wenig von dir verlassen sind; darum bitte ich nicht, daß du mich nie verlassest; denn es ist mir nicht zuträglich, wenn ich nie, meine Schwäche fühlend, sagen kann: 2 „Gut ist mir’s, daß du mich gedemüthigt hast,“ — oder wenn ich keine Übung habe im Kampfe, die ich ohne Zweifel nicht haben kann, wenn mir immer und ununterbrochen zugegen ist der göttliche Schutz. Denn den Schützling deines vertheidigenden Armes wird der Teufel nicht zu versuchen wagen, sondern wird entweder mir oder dir vorhalten oder vorwerfen, was er gegen deine Kämpfer mit seiner verläumderischen Zunge vorzubringen pflegt: 3 [S. 390] „Dient etwa Job umsonst seinem Gott? Hast du nicht ihn und sein Haus und seine ganze Habe rings wie mit einem Walle umgeben?“ O ich bitte mehr darum, daß du mich nicht gar zu sehr verlassest, was im Griechischen heißt: μέχρι πρὸς ἀγαντεῖον, d. i. bis zum Übermaaß. Denn so nützlich es mir ist, wenn du dich ein wenig von mir zurückziehst, damit sich die Standhaftigkeit meines Verlangens erprobe, so schädlich ist es mir, wenn du zugibst, daß ich gar zu sehr verlassen werde, wie ich wohlverdient und verschuldet hätte. Es kann ja keine menschliche Kraft, wenn sie zu lange in der Versuchung deiner Hilfe entbehrt, durch ihre eigene Standhaftigkeit ausdauern, ohne alsbald durch die Macht und die Umtriebe ihres Widersachers zu erliegen, wenn nicht du selbst, der du die menschlichen Kräfte kennst und die Kämpfe milderst, die Versuchung hinderst, welche unsere Kraft überschreitet; ja wenn nicht du zugleich mit der Versuchung auch den Ausweg gibst, daß wir sie ertragen können. 4 Etwas Ähnliches von geheimnisvollem Sinn lesen wir im Buch der Richter 5 über die Vertreibung jener Völker von geistiger Bedeutung, die Israel anfeinden: 6 „Dieß sind die Völker, welche der Herr übrig ließ, um durch sie Israel zu üben und ihm die Gewohnheit des Kampfes mit Feinden zu verschaffen.“ Und wieder gleich darauf: „Und es ließ sie der Herr, um an ihnen Israel zu prüfen, ob es auf die Gebote des Herrn höre, die er den Vätern durch die Hand des Moses gegeben, oder nicht.“ Diesen Kampf hatte jedenfalls Gott nicht deßhalb übrig gelassen, weil er Israel die Ruhe nicht gönnte oder schlecht für dasselbe sorgte, sondern weil er wußte, daß derselbe Israel sehr nützlich sei, damit es in der beständigen Bedrängniß wegen der Angriffe dieser Völker nie glaube, der Hilfe des Herrn entbehren zu können. So sollte es immer im An- [S. 391] denken und Anrufen Gottes verharren und weder in Trägheit erschlaffen noch die Erfahrung im Kriege und die Übung der Tapferkeit verlieren. Denn oft schon fielen Die, welche das Unglück nicht überwinden konnte, durch Sorglosigkeit und Glück.

1: Ps. 118, 8.
2: Ps. 118, 71.
3: Job 1.
4: I. Kor. 10, 13.
5: Richter 3, 1—4
6: Durch die Namen jener Völker werden geistige Laster, gegen welche die Gläubigen zu streiten haben, bezeichnet.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger