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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Vierte Unterredung, welche die mit Abt Daniel ist über die Begierlichkeit des Fleisches und des Geistes.

21. Von denen, die Großes verlassen und vom Kleinen beherrscht werden.

Was soll ich nun von jener Lächerlichkeit sagen, daß wir sehen müssen, wie Einige nach der Begeisterung jener ersten Entsagung, in welcher sie ihr Vermögen, die größten Schätze und den Dienst der Welt verließen, um in’s Kloster zu gehen, — mit solcher Anhänglichkeit an noch so kleine und werthlose Dinge gefesselt sind, die man nun einmal nicht ganz wegthun kann, und die man auch in diesem [S. 408] Stande haben muß, — daß die Sorge für dieselben ihre Leidenschaft für ihr ganzes früheres Vermögen übertrifft! Diesen wird es in der That nicht viel Nutzen bringen, größere Schätze und Reichthümer verlassen zu haben, weil sie die Anhänglichkeit an dieselben, wegen deren jene eben zu verlassen sind, auf kleine, unbedeutende Dinge übertragen haben. Denn indem sie das Laster der Begierlichkeit und Habsucht, dem sie in kostbaren Dingen nicht mehr fröhnen können, für werthlosere Gegenstände zurückbehalten, beweisen sie, daß sie die frühere Leidenschaft nicht ausgerissen, sondern nur vertauscht haben. So werden sie in ihrem zu großen Fleiße bei der Sorge um die Matraze, das Körbchen, das Säcklein, ein Buch, eine Matte und andere ähnliche obwohl ganz unbedeutende Dinge doch von derselben Begierde beherrscht wie früher. Sie bewachen und vertheidigen diese Dinge auch mit solcher Eifersucht, daß sie sich nicht schämen, um derselben willen gegen ihren Bruder aufgeregt zu werden, und was noch schändlicher ist, zu streiten. Da sie in diesen Dingen noch an der Krankheit der frühern Begierlichkeit leiden, so sind sie nicht zufrieden, Das, was der Bedarf des Körpers oder die Nothwendigkeit den Mönch zu besitzen zwingt, nach der allgemeinen Zahl- und Maßbestimmung zu haben, und zeigen auch darin die Habsucht ihres Herzens, daß sie theils das, was man haben muß eifriger anstreben als die Übrigen, theils in ungemäßigter Sorgfalt es zu sonderlich und aufmerksam bewahren und so von den Andern nicht einmal berühren lassen, was doch allen Brüdern gemeinsam sein sollte. Das ist, als ob nur der Unterschied der Metalle, aber nicht die Leidenschaft der Begierlichkeit für schädlich gehalten würde, und als ob in kleinen Sachen, während man sich für große nicht erzürnen darf, der Zorn ohne Schuld zugelassen werden könnte; als ob wir endlich nicht deßhalb die kostbarern Gegenstände hingeworfen hätten, damit wir um so leichter die werthloseren verachten lernen. Denn was macht es für einen Unterschied, ob Einer die verwirrende Begierde gegenüber reichen und herrlichen Schätzen oder bei werthlosen Gegen- [S. 409] ständen zur Geltung kommen läßt? Höchstens ist er darin noch tadelnswerther zu finden, daß er, der das Größte verachtete, durch das Kleinste gefesselt wird. Und so erlangt diese Entsagung nicht die Vollkommenheit des Herzens, weil sie zwar für arm geschätzt wird, aber den Willen des Reichen nicht abwirft.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger