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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Vierte Unterredung, welche die mit Abt Daniel ist über die Begierlichkeit des Fleisches und des Geistes.

11. Was an dieser Stelle vom Apostel Fleisch genannt werde, und was die Begierde des Fleisches sei.

Deßhalb müssen wir hier unter Fleisch nicht den Menschen, d. i. die Substanz des Menschen, sondern den Willen des Fleisches und seine argen Begierden verstehen, wie wir auch unter Geist nicht irgend eine Substanz, sondern die guten und geistigen Begierden der Seele zu meinen haben. Diesen Sinn drückte ebenderselbe hl. Apostel oben deutlich aus, indem er so schrieb: 1 „Ich sage aber: wandelt im Geiste, und so thuet ihr nicht des Fleisches Begehren; denn das Fleisch begehrt wider den Geist, der Geist aber wider [S. 395] das Fleisch; denn diese sind einander entgegen, daß ihr nicht thuet, was ihr gerade wollet.“ Da also beides Begehren, nemlich des Fleisches und des Geistes, in einem und demselben Menschen ist, so gibt es täglich einen innern Krieg in uns, indem die Begierlichkeit des Fleisches, die jählings zum Laster gezogen wird, sich an den Lüsten freut, die zum ruhigen Genuß der Gegenwart gehören. Dieser nun ganz widerstrebend verlangt die Begierde des Geistes, so vollständig geistigen Strebungen nachzuhängen, daß sie selbst die nöthigsten Bedürfnisse des Leibes auszuschließen wünscht, voll Verlangen, sich jenen beständig so sehr hinzugeben, daß sie der leiblichen Gebrechlichkeit durchaus keine Sorgfalt angedeihen lassen will. Das Fleisch freut sich an Üppigkeit und Geilheit, der Geist hält sich nicht einmal bei den naturgemäßen Wünschen auf. Jenes will sich faltigen mit Schlaf, sich anfüllen mit Speise; dieser wird so durch Wachen und Fasten befriedigt, daß er nicht einmal für den nothwendigen Bedarf des Lebens Schlaf und Speise zulassen will. Jenes wünscht Überfluß zu haben an allen Reichthümern; dieser ist zufrieden, wenn es ihm nicht einmal täglich ein kleines Brod trägt. Sich in Bädern glänzend rein zu machen verlangt jenes, und täglich von ganzen Schaaren der Schmeichler umdrängt zu werden; dieser aber freut sich an rauhem Schmutz und an der Öde der unzugänglichen Wüste und flieht die Gegenwart eines jeden Menschen. Jenes sonnt sich an Ehre und Menschenlob, dieser aber ist erfreut über die ihm zugefügten Verfolgungen und Beleidigungen.

1: Gal. 5, 16.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger