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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dritte Unterredung, welche die mit dem Abte Paphnutius ist, über die drei Entsagungen.

9. Von der dreifachen Art der Reichthümer.

Auf dreifache Weise werden in der hl. Schrift die Reichthümer unterschieden, nemlich in böse, gute und mittlere (gleichgiltige). Böse sind die, von welchen es heißt: 1 [S. 368] „Die Reichen hatten Mangel und hungerten;“ und: 2 „Weh’ euch, ihr Reichen, weil ihr euren Trost empfangen habt!“ Diese Reichthümer von sich geworfen zu haben, ist also sehr große Vollkommenheit. Der Gegensatz hievon sind jene Armen, welche im Evangelium durch das Wort des Herrn gelobt werden: „Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.“ Und im Psalm: 3 „Jener Arme rief, und der Herr erhörte ihn.“ Und wieder: 4 „Der Arme und Dürftige wird deinen Namen loben.“ Es gibt auch gute Reichthümer, die zu erwerben viel Tugend und Verdienst ist, und wegen deren Besitz der Gerechte von David gepriesen wird mit den Worten: 5 „Das Geschlecht der Gerechten wird gepriesen, Ehre und Reichthum ist in seinem Hause, und seine Gerechtigkeit währt immerdar.“ Und wieder: 6 „Die Erlösung der Seele eines Mannes ist sein Reichthum.“ Wegen dieser Reichthümer heißt es in der Apokalypse von dem, der sie nicht hat und also in schuldbarer Weise arm und entblößt ist: „Ich werde beginnen, dich auszuspeien aus meinem Munde, weil du sagst, ich bin reich und überreich und bedarf Niemandes, und du weißt nicht, daß du elend und erbärmlich, arm und blind und bloß bist. Ich rathe dir, von mir Gold zu kaufen, im Feuer erprobtes, damit du reich werdest und mit weissen Kleidern dich kleidest und nicht offenbar werde die Schande deiner Blöße.“ 7 Es gibt aber auch mittlere, d. h. die entweder gut sein können oder böse; denn sie werden durch die freie Wahl oder die Beschaffenheit der Gebrauchenden auf die eine oder andere Seite gestellt. Von diesen sagt der Apostel: 8 „Den Reichen dieser Welt befiehl, nicht hochfahrend zu denken und ihre Hoffnung nicht zu setzen auf den unsichern Reichthum, sondern auf Gott, der uns im Überflusse Alles zum Genusse darreicht; sie sollen Gutes thun, gern geben, mittheilen und sich einen Schatz an- [S. 369] legen als guten Grund für die Zukunft, damit sie das wahre Leben erlangen.“ Jener Reiche des Evangeliums aber, der seine Güter zurückhielt und durchaus nicht den Dürftigen damit half, so daß von seinen Brosamen der arme vor der Thüre liegende Lazarus sich zu sättigen wünschte, wurde dafür zu dem unerträglichen Feuer der Hölle und zu ewiger Glut verurtheilt.

1: Ps. 33.
2: Luk. 6, 24.
3: Ps. 33.
4: Ps. 73.
5: Ps. 111.
6: Sprüchw. 13.
7: Offenb. 3, 16.
8: I. Tim. 6, 17.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger