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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dritte Unterredung, welche die mit dem Abte Paphnutius ist, über die drei Entsagungen.

5. Daß die erste Berufung dem Trägen nicht nütze und die zweite dem Eifrigen nicht schade.

Obwohl nun unter diesen drei Weisen die beiden ersten sich auf einen bessern Anfang zu gründen scheinen, so finden wir doch zuweilen auch in der dritten Reihe, welche die unterste und laueste scheint, vollkommene Männer von größtem Geisteseifer, denen ähnlich, die aus der höchsten Veranlassung den Dienst Gottes ergriffen und ihr übriges Leben in lobenswerthem Eifer des Geistes zubrachten; wieder aber finden wir auf jener höhern Stufe sehr Viele, die lau wurden und in ein tadelnswerthes Ende zurückfielen. Wie es also Jenen nicht schadete, daß sie nicht durch freie Wahl, sondern durch den Drang der Noth sich bekehrten, zumal ihnen ja die Güte des Herrn den Anlaß zur Zerknirschung verschaffte: ebenso nützte es auch Diesen durchaus Nichts, einen höhern Anfang der Bekehrung gehabt zu haben, weil sie nicht bestrebt waren, das übrige Leben mit einem entsprechenden Ende zu schließen. So fehlte dem Abte Moses, der an dem Orte dieser Wüste wohnte, den man Calamus heißt, Nichts zum Verdienste der vollkommenen Glückseligkeit, weil er nur aus Furcht vor dem Tode, der ihm wegen eines Verbrechens des Mordes zugedacht war, zum Kloster kam; denn er ergriff die erzwungene Bekehrung dann so, daß er sie mit bereitwilliger Seelenkraft zu einer freiwilligen machte und zu den höchsten Gipfeln der Vollkommenheit gelangte; auf der andern Seite aber hat es sehr Vielen, die ich nicht namentlich zu erwähnen brauche, Nichts genützt, den Dienst Gottes nach einer höhern [S. 360] Weise angefangen zu haben, weil sie nachher durch Trägheit und Härte des Herzens in schädliche Lauigkeit und in den tiefen Abgrund des Todes fielen. Das sehen wir auch unwidersprechlich in der Berufung der Apostel ausgedrückt. Denn was nützte es dem Judas, daß er die höchste Würde des Apostolates nach derselben Weise, in welcher Petrus und die Übrigen gerufen wurden, freiwillig annahm, da er den herrlichen Beginn seiner Berufung zu dem unseligen Ende der Gier und Habsucht brachte und als grausamer Mörder bis zum Verrathe des Herrn herabstürzte? Oder was schadete es dem Paulus, daß er plötzlich geblendet auf den Weg des Heiles gleichsam mit Gewalt gezogen wurde, da er nachher dem Herrn mit solcher Glut des Herzens folgte und den erzwungenen Anfang in freiwilliger Verehrung fortführend sein durch solche Tugenden ruhmvolles Leben mit einem unvergleichlichen Ende beschloß? Alles kommt mithin auf das Ende an, und bei diesem kann Einer, der sich Anfangs der höchsten Bekehrung weihte, durch Nachläßigkeit als tiefer stehend erfunden werden, während der durch Noth zum Mönchsberufe Gezogene durch Gottesfurcht und Eifer vollkommen werden kann.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger