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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dritte Unterredung, welche die mit dem Abte Paphnutius ist, über die drei Entsagungen.

4. Erklärung der drei Berufungen.

Damit wir also diese drei Weisen der Berufung in besonderer Unterscheidung auseinandersetzen, so ist die erste von Gott, die zweite von Menschen, die dritte stammt aus der Nothwendigkeit. Aus Gott ist sie, so oft eine gewisse Inspiration (Eingebung) in unser Herz gesenkt wird, die uns zuweilen sogar aus dem Schlafe zu dem Verlangen des ewigen Lebens und Heiles erweckt und uns mit gar heilsamer Erschütterung ermahnt, Gott zu folgen und seinen Geboten anzuhängen. So lesen wir in den hl. Schriften, daß Abraham durch das Wort des Herrn von seinem Geburtslande, von den Banden der ganzen Verwandtschaft und dem Hause seines Vaters hinweggerufen worden sei, da der Herr sprach: 1 „Geh’ heraus aus deinem Lande und deiner ganzen Verwandtschaft und dem Hause deines Vaters!“ Auf diese Weise ist, wie wir wissen, auch der heilige Antonius gerufen worden, der den Anlaß zu seiner Bekehrung von Gott allein erhielt. Er kam nemlich in eine Kirche und hörte dort das Wort des Herrn im Evangelium: 2 „Wer nicht haßt Vater und Mutter, Kinder und Gattin, seine Felder und noch dazu sein Leben, der kann mein Jünger nicht sein;“ und: 3 „Wenn du vollkommen sein willst, geh’ und verkaufe, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben, und dann komm und folge mir nach!“ Dieß Gebot des Herrn [S. 358] nahm er als eigens an ihn gerichtet mit der größten Erschütterung des Herzens auf, und sogleich Allem entsagend folgte er Christo, durch keine menschliche Ermahnung oder Lehre aufgefordert. — Die zweite Weise der Berufung ist die, von der wir sagten, daß sie durch Menschen geschehe, wenn wir durch das Beispiel oder die Ermahnungen der Heiligen angetrieben und zu dem Verlangen des Heiles entflammt werden. Dadurch halten auch wir uns durch die Gnade Gottes für gerufen, da wir durch die Ermahnungen und Tugenden des genannten Mannes angeregt uns diesem Streben und Berufe hingaben. Auch lesen wir in der hl. Schrift, daß dieser Ordnung gemäß die Söhne Israels durch Moses aus der Bedrängniß Ägyptens befreit worden seien. Die dritte Weise der Berufung ist die, welche in der Noth erfolgt. Da sind wir von den Reichthümern oder Lüsten dieser Welt gefesselt; aber plötzlich brechen Prüfungen herein, indem uns entweder Todesgefahr droht oder Verlust der Güter und Ächtung uns trifft oder auch der Tod unserer Lieben uns verwundet. Jetzt treibt es uns an, wenigstens in der Zwangslage, zu Gott zu eilen, dem wir in glücklichern Verhältnissen zu folgen verschmähten. Diese Berufungstrübsal finden wir auch in der heiligen Schrift sehr oft, wenn wir lesen, daß die Söhne Israels nach Verdienst ihrer Sünden von Gott ihren Feinden überlassen worden seien, durch deren Herrschaft und wilde Grausamkeit sie sich dann bekehrten und wieder zu Gott riefen; und es sandte ihnen Gott als Retter den Aod, den Sohn Gera, den Sohn Jemini, der beide Hände gebrauchen konnte wie die Rechte. 4 Und wieder heißt es: „Sie riefen zum Herrn, der ihnen einen Retter erweckte zur Befreiung, den Othaniel, den Sohn des Cenez, den jüngern Bruder des Caleb.“ Auch im Psalme heißt es von Solchen: 5 „Als er sie tödtete, da suchten sie ihn und kehrten zurück; und früh Morgens kamen sie zu ihm und erin- [S. 359] nerten sich, daß Gott ihr Helfer ist und der erhabene Gott ihr Erretter.“ Und wieder: 6 „Und sie schrieen zu Gott, als sie bedrängt wurden, und von ihren Nöthen befreite er sie.“

1: Genesis 12.
2: Luk. 14, 26.
3: Matth. 19, 21.
4: Richter 3.
5: Ps. 77, 34.
6: Ps. 106.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger