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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dritte Unterredung, welche die mit dem Abte Paphnutius ist, über die drei Entsagungen.

16. Daß gerade der Glaube vom Herrn geschenkt werde.

So weit gingen die Apostel in der Meinung, es werde ihnen alles zum Heile Gehörige vom Herrn geschenkt, daß sie sich die Verleihung des Glaubens von ihm erbaten mit den Worten: „Herr, vermehre uns den Glauben!“ Sie schrieben also die Fülle desselben nicht dem freien Willen zu, sondern glaubten, daß sie ihnen durch Gottes Geschenk müsse ertheilt werden. Endlich lehrt uns gerade der Urheber des menschlichen Heiles selbst, wie unser Glaube so leicht ausgleitend sei und schwach und keineswegs sich selbst genügend, wenn er nicht durch Gottes Hilfe gestärkt sei. Er spricht also zu Petrus: „Simon, Simon, siehe der Satan hat euch wie Weizen zu sieben gesucht; aber ich habe meinen Vater gebeten, daß dein Glaube nicht hinfällig werde.“ So Etwas hat wohl ein Anderer in sich bemerkt und gesehen, wie sein Glaube durch die Brandung des Unglaubens gleichsam an die Felsenriffe zu verderblichem Schiffbruch gedrängt werde, weßhalb er zum Herrn mit der Bitte um Glaubensstärkung sprach: „Herr, hilf meinem Unglauben!“ 1 So sehr also glaubten alle evangelischen und apostolischen Männer, daß alles Gute durch Gottes Hilfe vollendet werde, und bekannten, wie sie nicht einmal ihren Glauben mit eigener Kraft oder durch die Willensfreiheit [S. 378] unversehrt bewahren könnten: daß sie vom Herrn ebensowohl die Unterstützung desselben als die Schenkung erflehten. Wenn dieser in Petrus, um nicht zu schwinden, der Hilfe des Herrn bedürfte, wer wird dann anmaßend und blind genug sein, um zu glauben, daß er zu dessen Bewahrung nicht der täglichen Hilfe Gottes bedürfe, zumal der Herr selbst im Evangelium gerade das deutlich und ausdrücklich lehrt, indem er sagt: 2 „Wie der Rebzweig nicht Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn er nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt“? Und wieder: „Ohne mich könnt ihr Nichts thun.“ Wie thöricht und gotteslästerlich es also sei, von unsern guten Thaten Etwas unserm Eifer und nicht der Gnade und Hilfe Gottes zuzuschreiben, das wird auch klar bewiesen dadurch, daß sich der göttliche Ausspruch dagegen erbebt, nach welchem Niemand ohne Gottes Erleuchtung und Beihülfe geistige Früchte bieten kann. 3 „Denn jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk ist von oben und kommt herab vom Vater des Lichtes.“ Auch Zacharias sagt: 4„Wenn Etwas gut ist, so ist es von ihm, und das Beste kommt von ihm.“ Und deßhalb bleibt der hl. Apostel dabei: 5 „Denn was hast du, das du nicht empfangen hättest? Wenn du es aber empfiengst, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?“

1: Mark. 9, 24.
2: Joh. 15, 4.
3: Jak. 1, 17.
4: Zach. 9, 17 (I.XX).
5: I. Kor. 4, 7.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger