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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Zweite Unterredung des Abtes Moyses über die Klugheit.

5. Der Tod des Greises Hero.

Damit nun diese von dem hl. Antonius und den übrigen Vätern vor Alters gegebene Bestimmung nach meinem Versprechen auch durch ein neueres Beispiel bestätigt werde, so denket an den neulichen Vorfall, den ihr mit eigenen Augen gesehen habt, nemlich an den Greis Hero, der vor [S. 330] nur wenigen Tagen durch teuflische Bethörung von der höchsten Höhe in die tiefste Tiefe gestürzt wurde. Wir wissen, daß er 50 Jahre in dieser Wüste weilend mit besonderer Entschiedenheit die Strenge der Entsagung hielt und die Stille der Einöde mehr als alle hier Wohnenden mit merkwürdigem Eifer suchte. Auf welche Art und Weise wurde nun Dieser nach solchen Mühen vom Versucher betrogen und hat durch seinen schrecklichen Fall alle in dieser Wüste Wohnenden mit Trauer und Schmerz erfüllt? Etwa nicht, weil er zu wenig mit der Tugend der Klugheit ausgerüstet sich lieber durch seine eigene Entscheidungen leiten wollte, als daß er den Rath und die Besprechungen der Brüder und die Grundsätze der Vorfahrer befolgt hätte? Er übte nemlich die beständige Enthaltsamkeit durch Fasten mit solcher Strenge und wahrte so beständig die Einsamkeit in der Wüste und in der Zelle, daß man von ihm weder die Theilnahme an einem mit den Brüdern zu haltenden Mahle noch je die Feier deß Osterfestes erlangen konnte. Während sich durch diese alle Brüder zur jährlichen Feierlichkeit in der Kirche halten lassen, konnte er allein nicht zur Versammlung gebracht werden, damit er ja nicht, sei es auch nur durch Annahme von ein wenig Gemüse, in seinem Vorsatze nachgelassen zu haben scheine. So durch Eigensinn betrogen nahm er, einen Engel Satans als Engel des Lichtes mit der größten Verehrung auf, gehorchte seinen Geboten mit bereitwilligstem Dienste und stürzte sich in einen Brunnen, dessen Tiefe der Blick des Auges nicht erreicht, da er nemlich an dem Versprechen seines Engels nicht zweifelte, der ihn versichert hatte, er könne wegen des Verdienstes seiner Tugenden und Mühen durchaus keiner Gefahr unterliegen. Um nun Dieß auf’s Klarste durch einen Beweis seiner Unverletzbarkeit als glaubwürdig zu bewähren, warf er sich voll Thorheit in unheimlicher Nacht in den genannten Brunnen, um, wenn er unbeschädigt herauskäme, hiedurch den großen Werth seiner Tugend zu beweisen. Als er nun mit ungeheurer Mühe der Brüder fast leblos herausgezogen worden war, [S. 331] blieb er, was noch ärger ist, so verstockt in seiner Bethörung, daß er sich, als er nach drei Tagen am Sterben war, nicht einmal durch den Beweis seines Todes Überzeugen ließ, wie er durch die List der Teufel betrogen sei. Deßhalb konnten Die, welche an seinem Untergange schmerzlichen Antheil nahmen, durch dieß ihr Mitleid und die größte Demuth kaum von dem Priester und Abte Paphnutius erlangen, daß Jener wegen der Verdienste so großer Mühsale und der Zahl der Jahre, die er in der Wüste aushielt, nicht unter die Selbstmörder gerechnet und auch des Andenkens und Opfers für die Entschlafenen unwürdig erklärt wurde.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger