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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Zweite Unterredung des Abtes Moyses über die Klugheit.

4. Was über das Gut der Klugheit in den heiligen Schriften gesagt wird.

Das ist die Klugheit, welche nicht nur Leuchte des Körpers, sondern auch Sonne vom Apostel genannt wird nach jener Stelle: „Die Sonne soll nicht untergehen über euerm Zorn.“ 1 Sie wird die Leitung unseres Lebens genannt, dort wo steht: „Die keine Leitung haben, fallen wie die Blätter.“ Sie heißt ganz mit Recht der Rath, ohne den wir nach Lehre der Schrift durchaus Nichts thun dürfen; so daß wir nicht einmal den geistigen Wein, der das Herz des Mensch erfreut, ohne ihre Mäßigung nehmen dürfen, nach jenem Wort: „Mit Überlegung thu’ Alles, mit Überlegung nimm Wein!“ Und wieder: 2 „Wie eine Stadt, deren zerstörte Mauern sie offen lassen, so ist ein Mann, der Etwas ohne Überlegung thut.“ Wie verderblich ihr Mangel dem Mönche sei, zeigt das Beispiel und Bild dieses Ausspruches, der ihn mit einer zerstörten, mauerlosen Stadt vergleicht. In ihr besteht die Weisheit, in ihr die Einsicht und die Sinnigkeit, ohne welche weder unser innerliches Haus erbaut werden kann noch geistige Reichthümer gesammelt werden können, nach jenem Wort: 3 „Durch Weisheit wird das Haus gebaut und durch Einsicht wieder [S. 329] aufgerichtet; durch Sinnigkeit werden die Kammern gefüllt mit allen kostbaren und guten Schätzen.“ Das, sage ich, ist die feste Speise, die nur von Vollkommenen und Starken genommen werden kann, wie es heißt: „Die Vollkommenen aber haben eine feste Speise, Jene, welche ihre Sinne durch Gewohnheit geübt haben zur Unterscheidung des Guten und Bösen.“ 4 So sehr wird diese Tugend als uns nützlich und nothwendig anerkannt, daß sie sogar mit dem Worte Gottes und seinen Kräften verbunden wird in jener Stelle: „Denn lebendig ist das Wort Gottes und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Fugen und Mark und entscheidend über die Gedanken und Absichten des Herzens.“ 5 Dadurch wird ganz offenbar erklärt, daß ohne die Gnade der Unterscheidung keine Tugend weder ganz vollendet werden noch beharren könne. Und so ist sowohl durch die Entscheidung des hl. Antonius als der Übrigen bestimmt worden, daß es die Klugheit sei, welche den Mönch mit festem Schritte ohne Zagen zu Gott führe und die genannten Tugenden beständig unverletzt bewahre; daß mit ihr man zu den hohen Gipfeln der Vollkommenheit mit geringerer Anstrengung aufsteigen könne, und daß ohne sie Viele auch noch so eifrig Strebende die Höhe der Vollkommenheit durchaus nicht erreichen konnten. Denn die Mutter, Wächterin und Lenkerin aller Tugenden ist die Klugheit.

1: Ephes. 4. 26.
2: Sprüchw. 25, 28 nach der Septuag.
3: Sprüchw. 24, 3 nach der Septuag.
4: Hebr. 5, 14.
5: Hebr. 4, 12.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger