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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Erste Unterredung, gehalten mit Abt Moyses über Absicht und Endzweck des Mönches.

4. Untersuchung des Moyses über den vorgenannten Satz.

Darauf sagte Jener: Gut und klug habt ihr über den Endzweck gesprochen; nun müßt ihr aber vor Allem wissen, welches unser σκοπός d. i. unsere nächste Absicht sein muß, der wir beständig anhängen müssen, um so das Endziel erreichen zu können. Da wir nun unsere Unwissenheit einfach bekannt hatten, fügte er bei: In jeder Kunst und Wissenschaft geht, wie ich sagte, ein gewisser σκοπός voraus, d. i. eine Bestimmung des Gemüthes oder eine unaufhörliche Absicht des Geistes, ohne deren mit allem Fleiß und aller Beharrlichkeit festgehaltene Beachtung Einer auch nicht zu dem Endziel des begehrten Erfolges gelangen kann. Denn, wie ich gesagt habe, der Landmann, der das Ziel hat, sorglos und behäbig zu leben durch das Wachsthum reichlicher Saaten, der hat auch die Absicht, seinen Acker von [S. 291] allem Dorngestrüppe zu reinigen und von allen unfruchtbaren Gräsern zu befreien, und gibt sich nicht der Vertrauensseligkeit hin, daß er auf andere Weise die Fülle des ruhigen Zieles erreichen werde, als wenn er das, was er in Gebrauch und Besitz haben will, zuvor schon gewissermaßen durch seine Mühe und Hoffnung besitze. Auch der Geschäftsmann legt das Verlangen, sich Waaren zu verschaffen, nicht ab, durch das er sich vortheilhafte Reichthümer sammeln kann, weil er vergebens nach Gewinn verlangen würde, wenn er den Weg, zu demselben zu kommen, nicht erwählt hätte; und die, welche sich in gewissen Würden dieser Welt geehrt sehen wollen, setzen sich auch zuerst vor, welcher Pflicht oder Ordnung sie sich unterwerfen müssen, damit sie auf dem gesetzmäßigen Pfad der Erwartung auch das Endziel der gewünschten Würden zu erlangen vermögen. So ist auch das Endziel unseres Weges allerdings das Reich Gottes; welches aber unser nächstes Ziel sei, muß fleissig untersucht werden. Wenn uns das nicht gleichmäßig bekannt ist, werden wir uns durch vergebliches Ringen abmühen, weil die ohne Weg vorwärts Strebenden wohl die Mühe der Wanderung haben, aber kein Fortkommen. Als wir darüber staunten, sagte uns der Greis: Das Endziel unseres Standes ist allerdings, wie wir gesagt haben, das Reich Gottes oder das Himmelreich; aber unser nächstes Ziel ist die Reinheit des Herzens, ohne welche es unmöglich ist, daß Einer zu diesem Endziel gelange. Indem wir also auf diese Absicht die Blicke bei unserer Leitung heften, richten wir unsern Lauf ganz gerade wie nach einer bestimmten Linie. Und wenn unsere Gedanken ein wenig von ihr abgewichen sind, eilen wir sogleich zu ihrer Betrachtung zurück und wollen dieselben wieder wie nach einer gewissen Norm auf das Genaueste verbessern. Diese also wird immer alle unsere Unternehmungen zu diesem einen Sammelpunkt zurückrufen und so alsbald Klage führen, wenn unser Geist von der vorgesteckten Richtung auch nur ein wenig abweicht.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger