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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Erste Unterredung, gehalten mit Abt Moyses über Absicht und Endzweck des Mönches.

22. Von der vierfachen Art der Unterscheidung.

Es wird uns also auf die vierfache Art, die wir ge- [S. 319] nannt haben, diese Unterscheidung nöthig sein, nemlich zuerst, daß uns die Materie des ächten oder des gefärbten und täuschenden Goldes nicht unbekannt sei, zweitens, daß wir eben diese Gedanken, die uns Werke der Frömmigkeit vorgaukeln, zurückweisen als falsche, ungesetzliche Münzen, die nemlich fälschlich das Bild des Königs enthalten, da sie nicht gesetzmäßig geprägt sind. Ferner sollen wir jene, welche in dem kostbarsten Golde der hl. Schrift bei ihrer schändlichen und häretischen Auslegung nicht das Bild des wahren Königs, sondern das eines Tyrannen tragen, gleichfalls unterscheiden und verwerfen können; oder wir sollen jene, deren Gewicht und Werth der Rost der Eitelkeit angenagt hat und sie so dem Probegewichte der Väter nicht mehr gleichkommen läßt, als leichte und schadenbringende und zu wenig wiegende Münzen zurückweisen, damit uns nicht begegne, was wir nach dem Gebote des Herrn mit aller Kraft vermeiden sollen, und wir um alles Verdienst und allen Lohn unserer Mühen betrogen werden. „Sammelt euch nicht,“ sagt er, „Schätze für die Erde, wo Rost und Motten sie verzehren, und wo Diebe sie ausgraben und stehlen können.“ 1 Denn wir sollen wissen, daß wir nach dem Worte des Herrn all’ das nur für die Erde sammeln, was wir aus Rücksicht auf Menschenruhm thun; und also ist es gleichsam im Boden verborgen oder in der Erde vergraben oder den verschiedenen Dämonen preisgegeben zur Verwüstung, dem gefräßigen Roste der Ehrsucht oder den Motten des Hochmuthes zur Verzehrung, so daß es zu keinem Nutzen und Vortheil des Verbergenden gereicht. Es müssen also alle Winkel unseres Herzens beständig durchsucht und die Spuren dessen, was in sie hineinsteigt, mit klügster Nachforschung immer beachtet werden, damit dort nicht vielleicht irgend eine geistige Bestie, ein Löwe oder Drache durchkomme und die verderblichen Spuren heimlich eindrücke, durch welche auch den Andern der Zu- [S. 320] gang in die Tiefen des Herzens bei der Vernachlässigung der Gedanken geöffnet würde. Wenn wir so alle Stunden und Augenblicke die Erde unseres Herzens mit dem evangelischen Pfluge, d. i. mit der beständigen Erinnerung an das Kreuz unseres Herrn, durchfurchen, so werden wir aus uns bald die Schlupfwinkel schädlicher Bestien, bald die Nester giftiger Schlangen berausreissen und hinausstoßen können.

1: Matth. 6.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger