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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo VI-XI: Sechs Predigten, beziehungsweise Ansprachen Leos über die Kollekten oder Almosenopfer.

Sermo IX. 4. Predigt über die Kollekten.

1.

Geliebteste! Der gerechte und barmherzige Gott hat uns die seit Erschaffung der Welt festgesetzte Art seiner Vergeltung durch die Lehre unseres Herrn Jesus Christus in gütigster Weise kundgetan und enthüllt. Dadurch sollten wir über die Bedeutung der kommenden Ereignisse aufgeklärt werden und uns das, was nach unserem Glauben erst in der Zukunft eintreten wird, so vorstellen können, als ob es bereits geschehen wäre. Wußte doch unser Heiland und Erlöser, welch große Irrtümer des Teufels Trug über die ganze Erde verbreitet hatte, und durch welch zahlreiche Formen des Aberglaubens ihm der größte Teil des Menschengeschlechtes untertan war. Damit nun nicht auch weiterhin der nach Gottes Ebenbild geschaffene Mensch aus Unkenntnis der Wahrheit in die Abgründe des ewigen Todes stürze, hat der Herr in die evangelischen Schriften auch die Schilderung seines Gerichtes aufgenommen1 . Durch diese sollte sich jeder vor den Fallstricken des listigen Feindes warnen lassen. Bleibt doch von nun an niemand mehr darüber im Unklaren, welchen Lohn die Guten zu erwarten und welche Strafe die Bösen zu fürchten haben. Jener Verführer und Vater der Sünde, den zuerst sein Hochmut zu Fall brachte2 und dann der Neid dazu aufstachelte3 , den Menschen zu schaden, baute, "weil er in der Wahrheit nicht bestanden"4 , seine ganze Macht auf der Lüge auf. Aus dieser giftigen Quelle seiner Arglist ließ er Täuschungen aller Art entspringen, um den Frommen die Hoffnung auf jenes Gut zu rauben, dessen er selbst durch seine Überhebung verlustig ging, und die mit sich in die Verdammnis zu reißen, an deren Erlösung er keinen Anteil haben konnte. Deshalb sind alle, durch welche Art von Ruchlosigkeit sie auch Gott beleidigt haben mögen, durch des Teufels Tücke dazu verführt, durch des Teufels Bosheit verdorben worden; denn mühelos verstrickt er die in alle möglichen Laster, die er um ihre Religion betrogen hat. Da er aber wußte, daß Gott nicht allein durch Worte, sondern auch durch Taten verleugnet wird, so hat er vielen, denen er den Glauben nicht entreißen konnte, die christliche Liebe geraubt. Er ließ den Geiz im Boden ihrer Herzen seine Wurzeln schlagen und brachte so die um die Früchte wohltätiger Werke, denen er das "Bekenntnis mit den Lippen" ließ5 .

1: vgl. Mt 25,31 ff.
2: vgl .Ekkli 10,15
3: vgl. Wh 2,24
4: vgl. Joh 8,44
5: vgl. Is 29,13; Mt 15,8: Mk 7,6

 

 

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