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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo VI-XI: Sechs Predigten, beziehungsweise Ansprachen Leos über die Kollekten oder Almosenopfer.
Sermo IX. 4. Predigt über die Kollekten.

3.

Solche Werke frommen Sinnes zu üben, das legt uns, Geliebteste, der von den Aposteln dazu ausersehene Tag ans Herz. Wurde doch für diesen von den Vätern in weiser und nützlicher Absicht die erste gottgefällige Kollekte angeordnet, damit an die Stelle der schändlichen Opfer der Gottlosen unser hochheiliges Almosenopfer trete, da gerade in dieser Zeit dereinst die Heiden abergläubiger1 ihren bösen Geistern huldigten. Weil nun jene Einrichtung der Kirche überaus förderlich war, so sollte sie auch dauernd sein. Darum mahnen wir euch, fromme Zuhörer: Steuert am Donnerstag in all den Kirchen euerer Stadtbezirke je nachdem Wollen und Können es euch nahelegt, etwas zu den Ausgaben bei, die für die Betätigung der Nächstenliebe notwendig sind! Dadurch sollt ihr euch die Anwartschaft auf jene Glückseligkeit erwerben, die dem, "der des Armen und Dürftigen gedenkt"2 , Freuden ohne Ende bereitet. Um aber des Armen und Dürftigen zu gedenken, müssen wir voll gütiger Teilnahme darauf bedacht sein, den ausfindig machen zu können, den Bescheidenheit verbirgt und Scham zurückhält. Gibt es doch solche, die darüber erröten, wenn sie vor aller Augen verlangen müßten, was ihnen nottut, die lieber still die drückende Last bitterer Entbehrung tragen als sich der Beschämung einer öffentlich vorgebrachten Bitte aussetzen wollen. Dieser muß man gedenken, diesen in ihrer heimlichen Not helfen! Dann wird auch ihre Freude gerade deshalb um so größer sein, weil man gleichzeitig ihrer Anmut und ihrem Zartgefühle Rechnung trug. Mit Recht aber sieht man in dem Armen und Dürftigen die Person unseres Herrn Jesus Christus selbst, der, wie der Apostel sagt, "arm wurde, da er reich war, um uns durch seine Armut reich zu machen"3 . Damit es also nicht scheint, als habe uns Christus verlassen, hat er das Geheimnis seiner Erniedrigung und Herrlichkeit so miteinander in Einklang gebracht, daß wir dem in seinen Armen Speise reichen können4 , den wir in der Majestät des Vaters anbeten. Dadurch sollen wir "am schrecklichen Tage"56 der ewigen Verdammnis entrinnen und zum Lohne dessen, daß wir des Armen gedachten, in das Himmelreich eingehen.

1: denn sonst
2: vgl.Ps 40,2
3: vgl. 2 Kor 8,9
4: vgl. Mt 25,35
5: des Gerichtes
6: vgl. Ps 40,2

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger