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Basilius von Cäsarea († 379) - 313 kurzgefasste Vorschriften (Regulae brevius tractatae)

Die dreihundertzehn kurzgefaßten Regeln in Form von Frage und Antwort.

1. Frage.

[S. 182] Ist es erlaubt und zuträglich, nach seinem Bedünken ohne das Zeugniß der göttlichen Schriften Etwas zu thun oder zu reden?

Antwort. Da unser Herr Jesus Christus von dem heiligen Geist sagt: „Denn er wird nicht von sich selbst reden, sondern was er gehört hat, Das wird er sagen,“1 von sich selbst aber: „Der Sohn kann Nichts von sich selbst thun,“2 und ferner: „Ich habe nicht von mir selbst geredet, sondern [S. 183] der Vater, welcher mich gesandt hat, der hat mir das Gebot gegeben, was ich reden und was ich sagen soll. Und ich weiß, daß sein Gebot das ewige Leben ist. Was ich also rede, das rede ich so, wie es mir der Vater gesagt hat“;3 wer kann daher so wahnsinnig sein, daß er aus sich selbst Etwas zu denken wage, da er doch der Führung des heiligen und guten Geistes bedarf, um auf den Weg der Wahrheit gelenkt zu werden, sowohl im Denken als im Reden und Handeln, da er doch ohne die Sonne der Gerechtigkeit unsers Herrn Jesus Christus, der uns durch seine Gebote gleichsam mit Strahlen erleuchtet, blind ist und in Finsterniß lebt? Denn „das Gesetz des Herrn ist glänzend und erleuchtet die Augen“.4 Da aber einige der Handlungen oder Reden, die bei uns im Gebrauche sind, auf Gottes Geheiß in der heiligen Schrift erklärt, andere aber mit Stillschweigen übergangen sind, so ist hinsichtlich dessen, was niedergeschrieben, überhaupt Keinem die Erlaubniß gegeben, entweder Etwas von Dem zu thun, was verboten, oder von Dem zu unterlassen, was geboten ist, da der Herr einmal befohlen und gesagt hat: „Und beobachte das Wort, welches ich dir heute gebiete: füge Nichts zu demselben hinzu und nimm Nichts davon weg.“5 Denn es erwartet ein schreckliches Gericht und ein heftiges Feuer, welches sie verzehren wird, Diejenigen, die Derartiges wagen. Über Das aber, was mit Stillschweigen übergangen ist, hat uns der Apostel Paulus eine Regel gegeben, indem er sagt: „Mir ist Alles erlaubt, aber nicht Alles frommt: mir ist Alles erlaubt, aber nicht Alles erbaut. Niemand suche das Seinige, sondern ein Jeder Das des Anderen.“6 Daher ist es in jeder Weise nothwendig, entweder Gott nach seinem Gebote oder Anderen wegen seines Gebotes sich unterzuordnen. Denn es steht geschrieben: „Seid einander unterthan in der Furcht Christi!“7 Auch sagt der Herr: „Wer [S. 184] unter euch groß sein will, sei unter Allen der Letzte und ein Diener Aller,“8 verzichtend nämlich auf seinen eigenen Willen nach dem Beispiele des Herrn, der da sagt: „Ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht um meinen Willen zu thun, sondern den Willen meines Vaters, der mich gesandt hat.“9

1: Joh. 16, 13.
2: Joh. 5, 19.
3: Joh. 12, 49. 50.
4: Ps. 18, 9 [Hebr. Ps. 19, 9].
5: Deuter. 10, 27.
6: I. Kor. 10, 22—24.
7: Ephes. 5, 21.
8: Mark. 9, 34.
9: Joh. 6, 36.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger