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Basilius von Cäsarea († 379) - 313 kurzgefasste Vorschriften (Regulae brevius tractatae)
Die dreihundertzehn kurzgefaßten Regeln in Form von Frage und Antwort.

176. Frage.

Welche Feinde sollen wir lieben, und wie sollen wir die Feinde lieben? Bloß durch Erweisung von Wohlthaten oder auch selbst von Herzen, und ob Dieses möglich?

Antwort. Es ist dem Feinde eigenthümlich, zu schaden und nachzustellen. Jeder daher, der einem Anderen auf irgend eine Weise schadet, darf Feind genannt werden, besonders aber der Sünder. Denn er schadet, soviel auf ihn ankommt, auf verschiedene Weise und stellt Dem nach, mit welchem er lebt oder Umgang hat. Da nun aber der Mensch aus Leib und Seele besteht, so sollen wir, was die Seele angeht, solchen Menschen dadurch unsere Liebe beweisen, daß wir sie zurechtweisen, ermahnen und auf jede Weise zur Besserung führen, was aber den Leib angeht, dadurch, daß wir ihnen wohlthun, wenn sie an Dem, was zum Leben nothwendig ist, Mangel leiden. Daß aber die Liebe in der Zuneigung besteht, ist Jedermann bekannt. Daß diese aber möglich sei, zeigte und lehrte der Herr, der die Liebe seines Vaters und seine eigene durch seinen Gehorsam bis zum Tode für Feinde und nicht für Freunde bewiesen hat, wie der Apostel bezeugt, indem er sagt: „Es beweiset aber Gott seine Liebe zu uns dadurch, daß Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.“1 Und eben dazu ermahnt er auch uns mit den Worten: „Seid also Nachahmer Gottes, als geliebte Kinder, und wandelt in Liebe gerade so, [S. 281] wie auch Christus uns geliebt und sich für uns Gott als Gabe und Opfer hingegeben hat.“2 Der Gütige und Gerechte hätte es aber wohl nicht geboten, wenn er uns nicht die Kraft dazu gegeben hätte; ja er zeigte auch, daß Dieses nothwendig in der Natur liege, zumal selbst die Thiere von Natur ihre Wohlthäter lieben. Ja, ich frage: Erweiset uns der Freund soviel Gutes als die Feinde? Diese verhelfen uns ja zu der Seligkeit, die uns der Herr in folgenden Worten verheissen hat. „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen verfolgen und schmähen und jedes schlimme Wort mit Unwahrheit gegen euch reden um meinetwillen. Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel!“3

1: Röm. 5, 8. 9.
2: Ephes. 5, 1—2.
3: Matth. 5, 11. 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger