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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo VI-XI: Sechs Predigten, beziehungsweise Ansprachen Leos über die Kollekten oder Almosenopfer.

Sermo VIII. 3. Predigt über die Kollekten.

1.

Geliebteste! Pflicht frommer Christen ist es, die auf apostolischer Überlieferung beruhenden Anordnungen allzeit und voll Ehrerbietung zu beobachten; denn auf jene hochseligen, durch göttliche Unterweisung erleuchteten Schüler der Wahrheit geht die Mahnung zurück, das Volk Gottes möge gerade dann dem Gebete und den Werken christlicher Liebe obliegen, wenn die Heiden in ihrer Verblendung ihren abergläubischen Gebräuchen besonders huldigen. Wie nämlich die unreinen Geister an dem Irrwahn derer, die Gott nicht kennen, ihr Wohlgefallen haben, ebenso verursacht ihnen die Betätigung wahrer Frömmigkeit die größte Pein. Jeder Fortschritt in der Gerechtigkeit ist eine Qual für den Vater der Gottlosigkeit. Um zu verhüten, daß durch des Satans verruchte und schändliche Anschläge gottgeweihte Herzen irgendwie befleckt würden, erhob der selige Apostel und Völkerlehrer warnend seine Stimme, indem er sprach: "Ziehet nicht an demselben Joche mit den Ungläubigen! Denn welche Gemeinschaft hat die Gerechtigkeit mit der Ungerechtigkeit? Oder wie kann sich das Licht mit der Finsternis verbinden?"1 . Dazu fügte er noch das Wort des Propheten: "Weichet, weichet aus ihrer Mitte und sondert euch ab, spricht der Herr, und rühret nicht an, was unrein ist!"2 . Weil nun die heilige Kirche für den Tag, an welchem die Gottlosen unter Anrufung ihrer Götzen dem Satan zu dienen pflegten, voll treuester Fürsorge die erste Armenkollekte angesetzt hat, um dadurch die Fallstricke des Erbfeindes zu vernichten, so ist es unser Wunsch, Geliebteste, daß ihr euch am Dienstag mit freiwilligen Almosenspenden in allen Kirchen euerer Stadtbezirke einfindet. Wenn sich auch nicht jeder in gleicher Weise an diesem Wohltätigkeitswerke beteiligen kann, so muß doch die Liebe zum Nächsten bei allen dieselbe sein. Bildet doch nicht der materielle Wert der Gabe den Maßstab der Mildtätigkeit der Gläubigen, sondern die Größe des dabei gezeigten Wohlwollens. Darum sollen auch die weniger Begüterten an dem durch Ausübung der Barmherzigkeit zu erwerbenden Gewinn ihren Anteil suchen, indem sie sich von ihrem Besitze, so gering er auch sein mag, noch irgendeine Gabe, die ihnen nicht allzu schwer fällt, zur Unterstützung der Notleidenden absparen! Mag auch die Spende des Wohlhabenden ansehnlicher sein, wenn nur der Unbemittelte nicht an Gesinnung hinter ihm zurückbleibt. Freilich erhofft man sich von einer reichlicheren Aussaat auch eine reichlichere Ernte; allein auch ein kleines Samenkorn kann viele Früchte der Gerechtigkeit tragen. Unparteiisch und wahrhaft ist unser Richter, der niemand um den Lohn seiner Verdienste bringt. Darum will er auch, daß man sich der Armen annimmt, damit die Barmherzigkeit am Tage des Gerichtes, an dem vergolten wird, die verheißene Barmherzigkeit erlangen3 , durch Christus, unseren Gott, der mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebt und waltet in Ewigkeit. Amen.

1: vgl. 2 Kor 6,14
2: vgl. ebd 17. vgl. Is 52,11
3: vgl.Mt 5,7

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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