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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo I-V: Dankrede Leos nach seiner Konsekration zum Papste. - Vier Festpredigten zur Jahrestagsfeier seiner Erhebung auf den Stuhl Petri.
Sermo IV. 3. Festpredigt zur Jahrestagsfeier seiner Erhebung auf den Stuhl Petri.

2.

Obgleich wir also, Geliebteste, reichlich Veranlassung haben, uns miteinander wegen des gemeinsamen Anteils an jener Gnade zu freuen, so wird doch diese Freude besser und trefflicher begründet sein, wenn ihr euch nicht weiter mit meiner niedrigen Person beschäftigt. Ist es ja viel nutzbringender und würdiger, seine Gedanken zur Betrachtung der Herrlichkeit des hochseligen Apostels Petrus zu erheben und diesen Tag besonders mit der Verehrung dessen hinzubringen, auf den so viele Gnadenströme aus der Quelle alles Segens selbst ausgegossen wurden. Obwohl er nämlich vieles allein erhielt, so fiel doch niemand etwas zu, woran nicht auch er seinen Anteil hätte. "Das Fleisch gewordene Wort"1 , weilte bereits in unserer Mitte, und Christus hatte sich schon ganz der Erlösung des Menschengeschlechtes gewidmet. Nichts war seiner Weisheit ungelegen, nichts seiner Macht unerreichbar. Ihm willfahrten die Elemente2 , gehorchten die Geister3 und dienten die Engel4 . Unmöglich war es, dass ein Geheimnis scheiterte, dessen Durchführung die "eine und dreifaltige Gottheit" selbst auf sich genommen hatte. Und doch wird auf der ganzen Welt nur Petrus dazu auserkoren, das Haupt aller berufenen Völker, sämtlicher Apostel und aller Väter der Kirche zu sein. Darum ist auch trotz der vielen Priester und trotz der vielen Hirten unter dem Volke Gottes doch im eigentlichen Sinne Petrus der Leiter aller derer, über die in erster Linie auch Christus herrscht. Bedeutenden und bewundernswerten Anteil an ihrer Macht gab also, Geliebteste, die göttliche Gnade diesem Manne. Und wenn auch nach ihrem Willen die übrigen Häupter der Kirche manches mit ihm teilen sollen, so hat sie doch alles, was sie anderen gewährte, stets nur durch ihn verliehen. Sämtliche Apostel fragt zum Schluß der Herr, welche Anschauung die Menschen von ihm hätten5 . Soweit sie nun berichten, was menschlicher Unverstand alles in ihm sieht, geben sie die gleiche Antwort. Kaum wird jedoch die Frage aufgeworfen, wofür ihn die Jünger halten, so bekennt der zuerst seinen Glauben an den Herrn, der den ersten Rang unter den Aposteln einnimmt. Gibt er doch die Antwort: "Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes." Darauf entgegnete ihm Jesus: "Selig bist du, Simon, Sohn des Jonas, denn nicht Fleisch und Blut hat dir das geoffenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist!" Das heißt: Deshalb bist du selig, weil mein Vater dich belehrt hat, weil du dich nicht durch die Meinung der Welt täuschen ließest, sondern durch himmlische Erleuchtung unterwiesen wurdest, weil nicht Fleisch und Blut, sondern jener mich dir offenbarte, dessen eingeborener Sohn ich bin. "Und ich", fuhr er fort, "sage dir." Das heißt: Wie mein Vater dir meine Göttlichkeit deutlich zeigte, so mache ich dir deine Bevorzugung kund. "Denn du bist Petrus." Das heißt: Wenn auch ich der unerschütterliche Felsen6 bin, ich der Eckstein7 , der aus beiden eines macht8 , ich das Fundament, außer dem keiner ein anderes legen kann9 , so bist doch auch du ein Fels, da du durch meine Stärke gefestigt wirst, so dass du durch diese Gemeinschaft an meiner persönlichen Macht Anteil hast. "Und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen." Auf diesem festen Grunde, sagt er, will ich einen ewigen Tempel errichten, und der stolze Bau meiner Kirche, der bis zum Himmel ragen soll, wird sich auf dem Fundamente dieses Glaubens erheben.

1: Joh 1,14
2: vgl. Mt 8,26; Lk 8,24
3: vgl. Mt 8,32; 9,33; 12,22; Mk 1,26.34; 5,13; 9,25; Lk 6,18; 8,2.33; 9,43; 11,14
4: vgl. Mt 4,11; 28,2ff.; Mk 16,5.ff.;Lk 2,9.ff.; Joh 20,12 ff.
5: Mt 16,13 ff.;Mk 8,27 ff.; Lk 9,18 ff.
6: vgl. Mt 7,24f.; Lk 6,28
7: vgl. Eph 2,20
8: ebd 14
9: vgl.1 Kor 3,11

 

 

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