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Fulgentius von Ruspe (467-533) - Fulgentius von Diakon Ferrandus von Karthago (Vita Fulgentii)

26. Kapitel (55—56). Ehrenvoller Empfang des Fulgentius in Karthago nach seiner Rückkehr aus der Verbannung.

Nachdem also der heilige Fulgentius durch seine Weisheit die Pelagianer besiegt hatte, war es ihm vergönnt, die darüber erfreuten Katholiken wiederzusehen. Er kehrte, gemäß der Voraussage, die der Heilige Geist durch ihn gemacht hatte, mit all seinen Mitbischöfen nach Karthago zurück, von wo er allein geschieden war. 1 Er fand die Christen dort in Freude wieder, die er in Trauer zurückgelassen hatte. Er fand sie jetzt überschäumend vor Jubel, die einst, als er sie verließ, durch die Gewalt der Verfolgung niedergedrückt waren. Er fand sie wieder unter der Führung ihres geistlichen Vaters, die er im Schmerz über ihre Mutter, die Kirche, zurückgelassen hatte. Er fand sie, ihn mit Freude erwartend, die er in Trauer seufzend verlassen hatte.

So groß war die Verehrung der Karthager, die den heiligen Fulgentius wiederzusehen begehrten, mit so brennendem Verlangen erwartete ihn das ganze Volk, das mit eigenen Augen Zeuge seines mannhaften Kampfes gewesen war, daß es, während die übrigen Bischöfe vor ihm ausstiegen, schweigend am Ufer stand und mit dem Auge und dem Herzen unter allen Bischöfen Fulgentius, den es wie einen persönlichen Freund kannte, heraussuchte und an allen Schiffen nach ihm fragte. Als aber seine Gestalt sich zeigte, erscholl ein ungeheures Freudengeschrei; denn alle stritten sich um die Ehre, ihn zuerst zu begrüßen, von ihm erkannt zu werden, das Haupt zum Segen zu beugen, wenigstens mit den Finger- [S. 107] spitzen ihn beim Gehen zu berühren oder auch nur mit den Augen aus der Ferne zu erblicken. Aus aller Mund erscholl das Lob Gottes. Die zur Basilika des heiligen Agileus2 vorangehende und nachdrängende Volksschar feierte die seligen Bekenner in herrlichem Triumph. Um den heiligen Fulgentius, den man mehr als die übrigen verehrte, scharte sich eine gewaltige Volksmenge und bedrängte ihn stürmisch, bis einige Christen den klugen Einfall hatten, rings um den durch das Drängen Erhitzten einen Kreis zu bilden und ihm so, während er in der Mitte ging, einen Weg zu bahnen.

Gott aber, der die Liebe der Gläubigen noch auf die Probe stellen wollte, ließ auf wunderbare Weise gewaltige Regengüsse auf die Dahinschreitenden niederstürzen. Und wer könnte nun, ohne die Wahrheit zu verletzen, die Beweise frommer Liebe erzählen? Die gewaltige Regenflut vermochte niemand zu erschrecken oder von der Verehrung gegen die glorreichen Bischöfe abzuhalten. Im Gegenteil, als ob himmlischer Segen herniederströme, wuchs der Glaube der Vornehmen so sehr, daß sie freudig ihre Oberkleider über den heiligen Fulgentius breiteten und den Regen fernhielten und so mit erfinderischer Liebe ein neuartiges Zelt bildeten. So folgten sie dem Beispiel derer, die in früheren Zeiten dem Erlöser, der auf dem Füllen einer Eselin sich Jerusalem näherte, ihre Kleider, wie das Evangelium erzählt, auf den Weg breiteten.3 Ähnlich handelten sie, die einträchtig mit ihren Kleidern das unbedeckte Haupt des seligen Fulgentius beschützten. Schon war es fast Abend, als [S. 108] sie vor dem Bischof Bonifacius seligen Andenkens erschienen und alle gemeinsam Gott Lob und Preis darbrachten. In allen Straßen der Stadt Karthago, durch die Fulgentius damals ging, zeigte man mit den Händen und Blicken nach ihm und pries ihn mit unzähligen Lobsprüchen.

1: Kap. 21 S. 39.
2: Die Basilika dieses von den Karthagern hochverehrten Märtyrers befand sich wahrscheinlich in der Nähe des Meeres. Hier hat wahrscheinlich Augustinus am Todestag des heiligen Agileus gepredigt, hier wurde im Jahre 523 der Erzbischof Bonifacius geweiht, hier fand zwei Jahre später eine bedeutende Synode statt. Möglicherweise sind die im Jahre 1922 von P. Delattre an dem Platz Bir-el-Knissia in dem Dorf Douar-ech-Chott entdeckten Ruinen Überreste der einstigen Agileusbasilika.
3: Matth. 21, 8.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger