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Fulgentius von Ruspe (467-533) - Fulgentius von Diakon Ferrandus von Karthago (Vita Fulgentii)

21. Kapitel (46—49). Verteidigung des katholischen Glaubens gegendie Einwürfe des KönigsThrasamund und des arianischen Bischofs Pinta; erneute Verbannung nach Sardinien.

Durch geheime Boten erfuhr der König von all diesen Vorgängen; er erkannte den Geist, die Weisheit, die Gelehrsamkeit, die Glaubenskraft, die Frömmigkeit, die Sanftmut und Sittenreinheit des ausgezeichneten Bischofs an und mußte zugeben, daß sein Charakter dem Lob entsprach, das man ihm spendete. Er ließ ihm also eine Schrift voll des Giftes der Irrlehre zu flüchtigem Durchlesen überreichen und verlangte eine Antwort. Der gelehrte Bischof unterzog sich dieser Aufgabe; er teilte die langen Ausführungen mit ihren ungereimten Einwänden nach Kapiteln ein und ließ unmittelbar seine eigenen kurzen, beweiskräftigen, unwiderleglichen, durch die Autorität der Zeugnisse gewichtigen und mit scharfer Logik formulierten Antworten folgen.1 Nachdem er diese lange und eingehend mit vielen gelehrten Männern beraten und zur Kenntnis des gläubigen Volkes gebracht hatte, ließ er sie auch dem durch das lange Warten gespannten König überreichen. Der Barbarenkönig las die Schrift mit größter Aufmerksamkeit; und da er nicht zum Heil vorausbestimmt war, lobte er zwar die Weisheit, bewunderte die Beredsamkeit und war voll Anerkennung [S. 97] für die bescheidene Art der Ausführungen; aber die Wahrheit zu erkennen, wurde er nicht gewürdigt. Das Volk von Karthago aber verkündigte als Zeuge des geistigen Triumphes mit heimlicher Freude die Widerlegung der vom König vorgebrachten Sätze und rühmte unter Lobsprüchen auf den heiligen Fulgentius die stete Sieghaftigkeit des katholischen Glaubens.

Der König aber wollte den gelehrten Mann noch weiter auf die Probe stellen und legte ihm ein zweites Mal andere Fragen vor; doch ließ er den heiligen Fulgentius diese nur ein einziges Mal durchlesen, ohne ihm die Möglichkeit zum Nachdenken oder Abschreiben zu geben.2 Er befürchtete nämlich, seine eigenen zu widerlegenden Behauptungen würden wiederum wie vorher in den Text mit aufgenommen, und so würde zum zweiten Mal durch das Urteil der ganzen Stadt seine Niederlage festgestellt. Der heilige Fulgentius aber, der durch die einmalige Lektüre sich die Einwände kaum zu merken vermochte, verschob die Antwort; der König hingegen, der über die Verzögerung der Beantwortung ungehalten war, bestand umso heftiger auf Antwort und hielt die Vorsicht des heiligen Mannes für Mangel an Selbstvertrauen. Daher verfaßte der Bischof, von der Tugend der Klugheit geleitet, drei hervorragende Bücher, um zu verhindern, daß im Volk die lügenhafte Behauptung verbreitet werde, es habe ihm das Können oder der Wille gefehlt, den [S. 98] Fragen des Königs entgegenzutreten. In diesem Werk wandte er sich in schlichtem Ton an den König und legte die Fragen, die er nur kurz gehört hatte, ausführlich nach allen Seiten dar, indem er nachwies, daß Christus dem Herrn bei der Menschwerdung die vernünftige Seele keineswegs gefehlt habe. Voll größter Bewunderung wagte der König nun keine Frage mehr zu stellen; nur einer seiner Bischöfe, Pinta mit Namen, versuchte gleichsam eine Antwort, mehr aus dem Grund, weil er nicht schweigen konnte, als daß er imstande gewesen wäre, tatsächlich eine Erwiderung zu geben. Ihm trat Fulgentius auf der Stelle durch die Darlegung der Wahrheit in einem anderen Werk mit dem Titel „Adversus Pintam" entgegen, wo er nachwies, daß seine Gegner, die in der ersten Verteidigungsschrift bereits besiegt worden waren, aus Unbesonnenheit den Kampf erneuert hätten.

Dem Priester Abragila legte er auf seine Frage über den Heiligen Geist in einem kleinen Commonitorium3 eine größere Anzahl von Beweisstellen vor und zeigte, daß er mit dem Vater und dem Sohn als ein Gott bekannt werden müsse. Die Sätze des Commonitoriums ließ er zwischen die beiden Werke jener Zeit aufnehmen. Alle rechtgläubigen Katholiken, die es lasen, waren voll Bewunderung; die Arianer waren verlegen und murrten in ihrer Erbitterung gegen ihn. Schließlich, als sich eine günstige Gelegenheit zu böswilliger Anfeindung fand, wurde dem König, der ihn noch länger in Karthago behalten wollte, von bösen und gottlosen Menschen gesagt: „Vergeblich strengst du dich an, König; dein Eifer nützt nichts; die Lehre des Bischofs Fulgentius hat solchen Einfluß gewonnen, daß er bereits eine beträchtliche Zahl deiner Priester wieder in die Kirche aufnimmt. Wenn du darum nicht bald unserer Religion zu Hilfe kommst, wird sie ins Wanken geraten; und alle, die von uns getauft worden sind, werden, wenn sie öffentlich mit der katholischen Kirche ausgesöhnt sind, das Homoousion [S. 99] predigen; und wenn du wiederum eine Verfolgung erregen willst, wird man vor der Strenge des Königs keine Angst mehr haben. Denn für alle Bischöfe ist die Anwesenheit des Fulgentius eine große Ermunterung zur Standhaftigkeit."

Von solchen Einflüsterungen hart bedrängt, stimmte der König zu und zwang Fulgentius, sich wieder in die Verbannung nach Sardinien zu begeben. In tiefster Nacht also — so hatte der König es angeordnet — wurde Fulgentius ohne Wissen der Bevölkerung an das Schiff gebracht. Aber durch ungünstige Gegenwinde erlitt er am Gestade solange Aufenthalt, daß viele Tage hindurch fast die ganze Stadt zu ihm kam und zum Abschied die Kommunion aus seiner Hand empfing. Dort sagte er, vom Heiligen Geist mit Prophetengabe erfüllt, dem Juliateus, einem sehr frommen Mann, der von großer Trauer und von Schmerz über den Weggang des seligen Bischofs erfüllt war: „Weine nicht längerI Wir werden bald zu euch zurückkehren; ihr werdet uns wiedersehen, wenn die Freiheit der katholischen Kirche wiederhergestellt ist. Aber bewahre, ich bitte dich, dieses Geheimnis für dich, das meine heiße Liebe zu dir mich hat offenbaren lassen!“

1: Gemeint ist die Schrift: „Contra Arianos liber unus ad decem obiectiones decem responsiones continens".
2: In dem Antwortschreiben: „Ad Thrasamundum regem Vandalorum libri tres" schreibt Fulgentius selbst: „Triumnphalibus tuis sensibus, Piissime Rex, nequaquam crediderim oblivione subtractum, quod nuper mihi quoddam volumen, bajulo Feiice, praeceperis destinari, iubens me illico respondere. Cuius quia tanta fuit prolixitas, ut egeret aliquanto diutius recenseri, et diurni finis aderat, nocte propinquante, curriculi, vix eiusdem voluminis principia citatae delibans lectionis excursu, poposceram, ut ad cuncta plenae recensionis ordine perlegenda noctis unius nobis spatium fuisse indultum, quod Vestrae Mansuetudinis voluntas omnino statuit abnegandum, ita ut nec saltem ad residua perlegenda scripturae nobis praeeepisses attribui." ML. 65, 223 ss.
3: Diese Schrift ist uns nicht erhalten.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger